15.02.2012 [15:30]

Schieder und Krainer fordern europäische Ratingagentur

Foto: Lehmann
Gemeinsam mit Experten diskutierten Finanzstaatssekretär Andreas Schieder und SPÖ-Finanzsprecher Jan Krainer bei einem „Österreich 2020“-Zukunftsdiskurs über Ratingagenturen. Deren Bonitätsurteile bringen für Staaten oft weitreichende Konsequenzen mit sich.

Zum Thema „Politik und Finanzmarkt im Würgegriff der Ratingagenturen – eine europäische Ratingagentur als Lösung?“ diskutierten Finanzstaatssekretär Andreas Schieder und SPÖ-Finanzsprecher Jan Krainer mit hochkarätigen Experten. In seiner Keynote erklärte Schieder: „Der Einfluss von Ratingagenturen muss reduziert werden. Außerdem müssen Ratings transparenter und strengere Haftungsregeln bei fahrlässigen Einstufungen schlagend werden. Die Vorschläge der Europäischen Kommission gehen dabei in die richtige Richtung, müssen aber konsequent weiterverfolgt und verstärkt werden.“ Zufrieden zeigte sich Schieder mit der Entscheidung der Ratingagentur „Moody’s“, Österreichs Triple-A Rating zu belassen.

Öffentliche europäische Ratingagentur


Für eine staatliche EU-Ratingagentur sprach sich auch SPÖ-Finanzsprecher Jan Krainer aus, denn „bisher lagen Zentralbanken näher an der wirtschaftlichen Wahrheit, wir können uns nicht mehr länger auf falsche Ratings verlassen.“ Er kritisierte, dass Ratingagenturen, trotz grober Fehleinschätzungen, nach wie vor Vertrauen genießen. Weiters ist die Marktkonzentration auf nur drei „anerkannte“ Agenturen überaus problematisch. Günther Chaloupek, Chef-Volkswirt der Arbeiterkammer Wien, stimmte zu: „Agenturen werden grob unterschätzt“ und bezeichnete sie als Teil „eines Systems der organisierten Verantwortungslosigkeit.“

Auch Peter Mooslechner, führender Ökonom der österreichischen Nationalbank, warnte davor, dass Ratings die Märkte verzerren und sich alle Marktakteure auf dieselbe Seite schlagen. Er zweifelt daran, dass eine staatliche Agentur diese Probleme einfach lösen könnte. Henrik Bremer von „Roland Berger Strategies“, die eine europäische Agentur planen, machte deutlich, wie schwierig die Gründung einer solchen sei. „Im Moment machen drei Agenturen 95 Prozent der Ratings“, so Bremer. 

Ratingagenturen – viele Probleme, jetzt braucht es Lösungen


Sonja Schneeweiss vom Bund Sozialdemokratischer AkademikerInnen (BSA) verdeutlichte die Problematik der Finanzierung von Ratingagenturen – sie werden vom Emittenten der Papiere, nicht vom Anleger bezahlt. Ebenfalls unklar sei, auf welcher Basis Ratingagenturen ihre Urteile tatsächlich fällen. „Eine Durchschnittsanalyse möglichst vieler Ratings wäre sinnvoller“, sagte Schneeweiss. Sie sprach sich für ein System aus, bei dem einerseits Investoren für die Ratings zahlen, anderseits nicht immer dieselbe Agentur dasselbe Unternehmen bewertet. Die jüngsten Bestrebungen der EU-Kommission wurden von den Experten positiv beurteilt, aber diese müssen auch umgesetzt werden.