Schluss mit un- und unterbezahlten Praktika

Sozialminister Rudolf Hundstorfer und SPÖ-Kinder- und Jugendsprecherin Katharina Kucharowits wollen verstärkt gegen un- und unterbezahlte Praktika vorgehen. In einer gemeinsamen Pressekonferenz wurden Vorhaben und eine Online-Plattform als anonyme Anlaufstelle für Betroffene präsentiert.

Oft verbergen sich hinter dem Titel „Praktikum“ prekäre, also unter- oder gar unbezahlte Arbeitsverhältnisse. Besonders häufig davon betroffen sind junge, hochqualifizierte Menschen mit einem Studien- oder FH-Abschluss. Sozialminister Rudolf Hundstorfer und SPÖ-Kinder- und –Jugendsprecherin Katharina Kucharowits haben gemeinsam mit Veronika Kronberger von der Interessensvertretung „Plattform Generation Praktikum“ Forderungen und Maßnahmen präsentiert, um diese modernen Form der Ausbeutung sukzessive zurückzudrängen.

Insbesondere in den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie in der Sozial- und Gesundheitsbranche, im Kulturbereich, im Journalismus sowie in der Forschung, der Architektur und der Juristerei sind diese prekären Beschäftigungsverhältnisse ein Problem. Durchschnittlich dauert es drei Jahre, bis junge AkademikerInnen in diesen Sparten ein ordentliches Dienstverhältnis bekommen – bei einem Viertel sogar bis zu fünf Jahren.

 Maßnahmen im Arbeitsrecht und in den Kollektivverträgen

 „Ziel ist, im Arbeitsrecht klarzustellen, was genau ein Praktikum ist und was ein regulärer Dienstvertrag beinhaltet“, betont Hundstorfer, für den es „inakzeptabel ist, dass es bei gewissen Studienrichtungen Usus ist, jungen, gut ausgebildeten Leuten unrechtmäßig vollwertige Arbeits- und Dienstverhältnisse vorzuenthalten“. Weiters fordert die SPÖ die vermehrte Verankerung von Praktika in Kollektivverträgen mit entsprechender Entgeltregelung sowie verstärkte Kontrollen durch die Gebietskrankenkassen. Betroffene sollen zudem künftig besser informiert und anonyme Anlaufstellen geschaffen werden.

 watchlist-praktikum.at als Anlaufstelle für Betroffene

 SPÖ-Nationalratsabgeordnete Katharina Kucharowits skizzierte die Auswirkungen der zunehmenden Praktika auf die Lebensrealität junger Menschen. Die Betroffenen haben dadurch erst viel später die Möglichkeit, ein eigenständiges Leben zu führen, sich eine Wohnung, oder gar einen Urlaub leisten zu können. Der Einkommensverlust führt – auf das Lebenseinkommen umgelegt – auch zu einer niedrigeren Pension.

 Veronika Kronberger, Sprecherin der „Plattform Generation Praktikum“, hat nun mit Unterstützung des Sozialministeriums und der GPA-DJP-Jugend die anonyme Anlaufstelle watchlist-praktikum.at ins Leben gerufen. Dabei können Betroffene von unter- und unbezahlten Arbeitsverhältnissen, die unter „Praktikum“ laufen, „Schwarze Schafe“ unter den Unternehmen melden. Die erhobenen Daten werden schließlich an die Gebietskrankenkassen weitergeleitet, die die Unternehmen dann prüfen und gegebenenfalls auch strafen bzw. eine Anstellung anordnen können. „Das gibt Betroffenen die Möglichkeit, ihre Rechte geltend zu machen, ohne sich exponieren zu müssen“, sagt Kronberger, die dafür plädiert, neben Regelungen in den Kollektivverträgen auch die Definition von „Pflichtpraktika“ in Lehrpläne zu konkretisieren.