Der Sozialdemokratische Parlamentsklub trauert um Barbara Prammer

"Uns allen wird eine aufrichtige Sozialdemokratin und eine Kämpferin für einen starken Parlamentarismus fehlen,“ zeigt sich SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder zutiefst betroffen vom Ableben der beliebten SPÖ-Politikerin. "Im Namen des gesamten sozialdemokratischen Parlamentsklubs darf ich der Familie von Barbara unsere aufrichtige Anteilnahme und unser Beileid übermitteln.“ – Link zum elektronischen Kondolenzbuch

 
 
„Barbara Prammers Leben war von sozialdemokratischen Grundwerten geprägt. Ihr persönlicher Lebenslauf war ein Spiegelbild für eine Politik der Chancengerechtigkeit. Zugleich war sie in ihren sämtlichen Ämtern und Aufgaben stets bemüht, das Grenzüberschreitende, das Öffnende und das Gemeinsame zu betonen. Insbesondere als Nationalratspräsidentin hat Barbara Prammer politische Gesinnung und Überparteilichkeit verbunden", würdigt Andreas Schieder die Verstorbene.
 
Als Hausherrin des Parlaments hat sie, so Schieder, vor allem die demokratiepolitische, kulturelle und internationale Öffnung des Hohen Hauses vorangetrieben. "Mit der Demokratiewerkstatt und der Sanierung des Parlaments fallen in ihre Amtszeit zwei wichtige Projekte, die einen Qualitätsschub für den österreichischen Parlamentarismus bedeuten. Damit und mit ihrer offenen, freundlichen Art werden wir Barbara Prammer als große Politikerin, Demokratin, Sozialdemokratin und Freundin in Erinnerung behalten", so der SPÖ-Klubobmann.
 
Öffentliche Trauerfeier am Samstag, 10:30 vor dem Parlament
 
Die öffentliche Trauerfeier für Barbara Prammer wird am Samstag, 9. August, um 10.30 Uhr vor dem Parlamentsgebäude stattfinden. Die Beisetzung in einem Ehrengrab der Stadt Wien auf dem Wiener Zentralfriedhof erfolgt im engsten Familienkreis.
 
 
Ein persönlicher Abschied ist im Rahmen der Aufbahrung am Donnerstag, 7. August, und Freitag, 8. August, von 10.00 bis 17.00 Uhr in der Säulenhalle des Parlaments möglich. Seit Dienstag liegen im Parlament zwei Kondolenzbücher auf. Ein offizielles für die Staatsspitze und DiplomatInnen sowie ein öffentliches, in das sich jede und jeder eintragen kann und das noch bis Freitag jeweils von 8.00 bis 17.00 Uhr im Besucherzentrum des Parlaments aufliegt.
 
 
 
 
Bundespräsident Heinz Fischer: "Absolut integre Politikerin"
 
"Die Nachricht, dass Nationalratspräsidentin Barbara Prammer wenige Monate nach ihrem 60. Geburtstag einer schweren Krankheit erlegen ist erfüllt uns alle mit tiefster Traurigkeit. Sie hat den Kampf gegen eine tückische Krankheit mit unglaublicher Tapferkeit und großem Lebenswillen geführt, aber dieser Kampf war nicht zu gewinnen", zeigte sich Bundespräsident Heinz Fischer betroffen über das Ableben von Prammer.
 
Fischer weiter: "Barbara Prammer war eine der großen Frauenpersönlichkeiten im öffentlichen Leben unseres Landes und auch über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannt und geschätzt. Sie war eine engagierte und unbestrittene Präsidentin des österreichischen Nationalrats, eine führende Sozialdemokratin und eine absolut integre Politikerin, der ich mich auch persönlich sehr verbunden fühlte."
 
"Bedeutende Sozialdemokratin und engagierte Frauenpolitikerin"
 
Bundeskanzler Werner Faymann erklärte in einer ersten Stellungnahme: "Barbara Prammer hat heute den Kampf um ihr Leben, den sie mit so viel Zuversicht und Kraft geführt hat, verloren. Ihr früher Tod hinterlässt bei allen, die sie kannten und die mit ihr arbeiten durften, große Betroffenheit und Trauer. Barbara Prammer war eine bedeutende Sozialdemokratin, engagierte Frauenpolitikerin, große Demokratin und seit 2006 eine hervorragende Nationalratspräsidentin."
 
"Sie sah sich selbst als Kind der Kreisky-Zeit und hat nie aufgehört, an eine Zukunft zu glauben, in der soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit zur Selbstverständlichkeit geworden sind." Als Kämpferin für die Gleichstellung der Frauen habe sie die Gesellschaft ebenso geprägt wie mit ihrem Engagement, junge Menschen für Demokratie und politische Mitsprache zu begeistern. Ganz besonders stark war ihr Eintreten für ein Miteinander in der Gesellschaft, gegen Verhetzung, Rassismus und Antisemitismus. Barbara Prammer war es ein großes Anliegen, dass die Gräuel des Nationalsozialismus, auch und besonders von jungen Menschen, nicht vergessen werden.
 
Durch ihren Tod verliert die Republik eine führende Persönlichkeit. Ihre Wegbegleiter und Wegbegleiterinnen verlieren einen außerordentlich liebevollen und wertvollen Menschen. "Mein tiefes Mitgefühl gilt der Tochter Julia und ihrem Sohn Bertram, der Familie und den Angehörigen", so Bundeskanzler Werner Faymann.
 
"Freundin, Verbündete, Wegbegleiterin und Mentorin"
 
Traurig zeigte sich auch die heutige Frauenministerin und SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek: "Barbara Prammer war für mich Freundin, Verbündete, Wegbegleiterin und Mentorin." In ihrer Bestimmtheit und ihrer Überzeugung habe sie Gesetze und Maßnahmen oft auch gegen Widerstand umgesetzt, sei es ihr doch darum gegangen, das Leben der Frauen zu verbessern. Mit höchstem Respekt verabschiede sie sich von Prammer, so Heinisch-Hosek. Auch Frauengeschäftsführerin Andrea Brunner betonte: "Barbara Prammer ist für uns immer eine große Stütze gewesen. Wir werden ihren Einsatz für die Rechte der Frauen mit aller Kraft weiterführen."
 
LEBENSLAUF UND POLITISCHER WERDEGANG
 
Barbara Prammer wurde am 11. Jänner 1954 in Ottnang am Hausruck geboren. Sie absolvierte erfolgreich ein Studium der Soziologie an der Universität Linz. 1991 bis 1995 war Prammer Abgeordnete zum Oberösterreichischen Landtag und Zweite Präsidentin des Oberösterreichischen Landtages. 1995 wurde sie schließlich Landesrätin für Wohnbau und Naturschutz. Ab 1990 wirkte Prammer in der SPÖ Oberösterreich als Landesfrauenvorsitzende sowie als Landesparteivorsitzender-Stellvertreterin ab 1991. 1995 wurde Prammer zur stellvertretenden Bundesparteivorsitzenden gewählt.
1997 wurde Prammer schließlich Bundesfrauenvorsitzende der SPÖ. 1997 bestellte sie Bundeskanzler Viktor Klima als Bundesministerin für Frauenangelegenheiten und Konsumentenschutz. Seit 1999 war Prammer Abgeordnete zum Nationalrat und wurde auch zur stellvertretenden Klubvorsitzenden gewählt. Die Oberösterreicherin wirkte auch als Vizepräsidentin der Sozialistischen Fraueninternationale. 2006 wurde Prammer zur Präsidentin des Nationalrates gewählt.