Abschied von Barbara Prammer

Rund 2.000 Trauergäste, darunter rund 600 Ehrengäste aus dem In- und Ausland, haben bei der offiziellen Trauerfeier am Ring vor dem Parlament Abschied von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer genommen. Die Rednerinnen und Redner, darunter Bundespräsident Fischer und Bundeskanzler Faymann,  würdigten Prammers Engagement für die Demokratie, für Frauenrechte und Toleranz.

 
"Österreich verliert eine führende Persönlichkeit und Leitfigur, einen liebevollen und wertvollen Menschen. Barbara Prammer wurde viel zu früh aus unserem Leben gerissen. Ihr Tod hinterlässt tiefe Betroffenheit und Trauer", sagte Bundeskanzler Werner Faymann in seiner Rede. Wie stark das Wirken Barbara Prammers gewesen sei, könne man in diesen Tagen sehen: Das unglaublich große Maß an Respekt, das ihr von allen Seiten entgegengebracht werde, spiegle Barbara Prammers außergewöhnliches Schaffen wider. 
 
Bundeskanzler Werner Faymann: „Grundsatztreue und Toleranz für sie kein Widerspruch“
 
"Sie brachte Leidenschaft für das Gemeinsame und Sinn für das Machbare ein", erinnerte Faymann. "Das demokratische Gemeinwesen braucht Menschen mit Grundsätzen. Menschen wie Barbara Prammer. Ihr Weltbild war geprägt von Gleichheit, sie setzte sich stets für Demokratie, Menschenrechte und ein solidarisches Miteinander als unumstößliche Prinzipien ein. Sie zeigte uns, dass Grundsatztreue und Toleranz kein Widerspruch sind", sagte Faymann. Barbara Prammer habe stets das Gemeinsame vor das Trennende gestellt. "Doch im Einsatz für die Gleichstellung der Frauen sowie im Kampf gegen Verhetzung und Rassismus gab es keine Kompromissbereitschaft", so der Kanzler.
 
Bundespräsident Heinz Fischer: Eine große Frau in der Geschichte unseres Landes
 
"Ihr könnt sicher sein, dass eure Barbara als beeindruckende Persönlichkeit unseres Landes, als große Frau in unsere Geschichte eingehen wird", sagte Bundespräsident Heinz Fischer zu Prammers Familie. Er erinnerte auch an den "bewundernswerten und mit Recht bewunderten Weg", wie Prammer mit ihrer Krebserkrankung umgegangen war. Zugleich nahm er die unzähligen Respektsbekundungen für die verstorbene Nationalratspräsidentin auch zum Anlass, darüber nachzudenken, "wie sehr sich Barbara auch nur über einen kleinen Bruchteil dieses Lobes zu Lebzeiten gefreut hätte". Seine "Bitte" daher: "Entwickeln wir alle miteinander zeitgerecht möglichst viel Sensibilität, Verantwortungsbewusstsein und Fairness im Umgang mit anderen Menschen. Das gilt besonders für Politik und Medien, aber es gilt auch für alle Menschen."
 
Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek: Eine große Tochter Österreichs und Europa
 
Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, die 2009 von Prammer den Vorsitz der SPÖ-Frauen übernommen hatte, blickte auf "gemeinsame Jahre, geprägt von Vertrauen und Unterstützung" durch ihre "Freundin und Mentorin", zurück. Prammer sei stets für eine "Zukunft, in der Frauen gleichberechtigt und selbstbestimmt leben können", eingetreten. Dafür habe sie auch parteiintern "den einen oder anderen Strauß auszufechten gehabt", etwa in der Frage der Frauenquote. "Beharrlich und konsequent hast du, Barbara, diesen Weg und viele andere Wege für uns aufbereitet. "Du warst ein liebenswerter Mensch, und du bist eine große Tochter Österreichs und Europas. Ich bin stolz, dich gekannt zu haben."
 
Bundesratspräsidentin Ana Blatnik: Engagement für Volksgruppen und Minderheiten, für Toleranz, gegen Diskriminierung
 
Bundesratspräsidentin Ana Blatnik – eine Kärntner Slowenin – hob Prammers Engagement für Volksgruppen und Minderheiten hervor, den von ihr eingeführten Volksgruppentag im Hohen Haus oder das 2011 vor dem Parlament errichtete Barackendorf zum Hinweis auf die Situation der Roma und Sinti. Prammer habe "den Bausteinen, auf denen unsere Gesellschaft fußt, ein Gesicht gegeben", mit ihrem konsequenten Bekenntnis zu Toleranz, Menschenrechten, Chancengleichheit, Dialog und Kompromiss und Auftreten gegen Diskriminierung, Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus.
 
Nationalratspräsident Karlheinz Kopf: „Eine engagierte Kämpferin für den unverzichtbaren Stellenwert und die Würde des Parlaments“
 
"Ich verneige mich heute respektvoll vor einer großen Demokratin – einer großen Österreicherin – und bedanke mich namens des Nationalrates und seiner Abgeordneten bei unserer Präsidentin für ihre umsichtige, überparteiliche und vor allem menschliche Art der Führung des Hauses", würdigte der Zweite Nationalratspräsident Karl-Heinz Kopf Prammers Tätigkeit an ihrer letzten Wirkungsstätte. 
 
Prammer sei eine "engagierte Kämpferin für den unverzichtbaren Stellenwert und die Würde des Parlaments" und die stetige Weiterentwicklung der Demokratie gewesen, erinnerte Kopf an ihre "Beharrlichkeit", der u.a. letztlich die U-Ausschuss-Reform und die Einigung auf die Parlamentssanierung zu verdanken sei, an die von ihr eingerichtete Demokratiewerkstatt und das Jugendparlament.
 
Coudenhove-Kalergi: „Ich glaube, sie wäre eine gute Bundespräsidentin geworden.“
 
Die Publizistin Barbara Coudenhove-Kalergi schließlich würdigte Prammer "mit dem Blick von außen": "Sie war eine Politikerin, die ihr Amt nicht nur mit Anstand ausgefüllt hat, sondern auch mit einer gewissen Anmut." Prammer habe vorgelebt, "dass man Politiker, Politikerin sein kann, ohne sich zu verbiegen". Sie habe auch ein Leben auf Basis einer "festen Überzeugung" geführt und sei daher "offen für andere Ideen und andere Traditionen" gewesen. Zudem führte auch Coudenhove-Kalergi die "Art, wie sie mit ihrer Krankheit umgegangen ist", ins Treffen. "Sie hat uns allen nicht nur gezeigt, wie man mit Anstand lebt, sondern auch, wie man mit Anstand stirbt. Ich glaube, sie wäre eine gute Bundespräsidentin geworden."