Denis Mukwege erhält Sacharow-Preis

Der diesjährige EU-Menschenrechtspreis geht an Denis Mukwege. Der kongolesische Gynäkologe und Aktivist setzt sich in seiner Heimat für Frauen ein, die Opfer von Vergewaltigungen und Verstümmelungen geworden sind.

"Mit der Sacharow-Preisverleihung setzt die europäische Staatengemeinschaft ein wichtiges Zeichen gegen sexualisierte Gewalt und unterstützt einen äußerst engagierten und mutigen Menschen, der unter Einsatz seines Lebens für die Verbesserung der Situation der Frauen in seinem Land kämpft", würdigt SPÖ-Frauensprecherin Gisela Wurm den Preisträger. Mukwege wurde von den SozialdemokratInnen im Europäischen Parlament für den Preis vorgeschlagen.

Auch SPÖ-Europaabgeordneter und sozialdemokratischer Menschenrechtssprecher Josef Weidenholzer zeigt sich erfreut und gratuliert: "Mukweges Einsatz für Frauen und Mädchen, die Opfer sexualisierter Gewalt wurden, ist ein Lichtblick in der krisengebeutelten Region. Er ist ein mehr als würdiger Preisträger, der sich für die verwundbarsten aller Opfer einsetzt.“

Kampf gegen sexualisierte Gewalt

Denis Mukwege leitet das Panzi-Krankenhaus in der Krisenregion Kivu, das sich auf die Behandlung von Vergewaltigungsopfern spezialisiert hat. Obwohl der Krieg in der Demokratischen Republik Kongo offiziell beendet ist, ist der Osten des Landes immer wieder Schauplatz bewaffneter Konflikte. Dabei werden häufig Massenvergewaltigungen und Verstümmelungen systematisch als Waffe eingesetzt. Über 40.000 durch sexualisierte Gewalt schwer verletzte Frauen wurden von Mukwege und seinen KollegInnen im Panzi-Krankenhaus seit der Gründung 1999 bereits operiert.

Stimme der Opfer

Auch in zahlreichen Interviews und Reden macht sich Denis Mukwege für Vergewaltigungsopfer stark. 2012 hielt er eine vielbeachtete Rede vor den Vereinten Nationen, in der er die Missstände in der Demokratischen Republik Kongo thematisierte und dazu aufrief, sexualisierte Kriegsgewalt aufs Schärfste zu verurteilen. Nach der Rückkehr in seine Heimat überlebte er nur knapp ein Attentat, das für einen seiner Mitarbeiter tödlich endete, und ging in Folge ins Exil nach Schweden. Inzwischen ist Denis Mukwege nach Kongo zurückgekehrt und hat unter strengem Personenschutz seine Arbeit am Panzi-Krankenhaus fortgesetzt.

Preis für Menschenrechte und Meinungsfreiheit

Der „Sacharow-Preis für geistige Freiheit“, der vom EU-Parlament vergeben wird, ist nach dem sowjetischen Dissidenten und Friedensnobelpreisträger Andrei Sacharow benannt. Er wird seit 1998 jährlich an Personen oder Organisationen vergeben, die sich für Meinungsfreiheit und Menschenrechte einsetzen. Letztjährige Gewinnerin des mit 50.000 Euro dotierten Preises war die heurige Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai.