Fortpflanzungsmedizin: Novelle beendet Diskriminierung lesbischer Paare

Eine langjährige SPÖ-Forderung wird Realität: Die Regierung hat eine Novelle in Begutachtung geschickt, die lesbischen Paaren und bei In-Vitro-Fertilisation eine Samenspende Dritter erlaubt. Auch Eizellenspenden und Präimplantationsdiagnostik sind künftig in einigen Fällen möglich.

Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser und Justizminister  Brandstetter haben sich auf eine Reform der Fortpflanzungsmedizin geeinigt. Das rund 20 Jahre alte Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) wird damit endlich an die gesellschaftlichen Entwicklungen angepasst.

Schritt ins 21. Jahrhundert

Zu den wichtigsten Neuerungen, die das FMedG ins 21. Jahrhundert führen, gehört, dass weibliche homosexuelle Paare sich künftig mittels Samenspende fortpflanzen dürfen. Auch für heterosexuelle Paare soll bei der In-Vitro-Fertilisation eine Samenspende Dritter – also nicht nur des Ehemannes oder Lebenspartners – zulässig sein. Außerdem soll künftig nicht nur die Samenspende, sondern auch die Eizellenspende für nicht fortpflanzungsfähige Frauen erlaubt sein. Vermittlung und Kommerzialisierung werden verboten und es wird Altersgrenzen geben. Die Präimplantationsdiagnostik bleibt zwar grundsätzlich weiter verboten – aber es soll Ausnahmen in engen Grenzen nach internationalen Standards geben. Gesundheitsministerin Oberhauser ist erfreut, dass mit diesem Entwurf "jahrzehntelange frauenpolitische Forderungen" endlich umgesetzt werden.

Heinisch-Hosek: Durchbruch bei der Fortpflanzungsmedizin erreicht

Frauenministerin Gabriele Heinsch-Hosek wertet den Gesetzesentwurf als „Riesenschritt in Richtung einer modernen Verankerung der Fortpflanzungsmedizin“. Die Diskriminierung lesbischer Paare wird damit endlich beendet, „sie werden nun bei der Samenspende heterosexuellen Paaren gleichgestellt“, betont Heinisch-Hosek. In Sachen Eizellenspende setzt Österreich nun eine Empfehlung der Bioethikkommission um, bei der Präimplantationsdiagnostik erlaubt die Novelle Paaren „unter bestimmten Voraussetzungen die Inanspruchnahme moderner medizinischer Möglichkeiten“, begrüßt die Ministerin. „Als Frauenministerin habe ich mich seit jeher für ein modernes Fortpflanzungsmedizin-Gesetz eingesetzt. Mit dieser Novelle setzt die Bundesregierung nun diesen so wichtigen Schritt ", betont Heinisch-Hosek.

SPÖ begrüßt Novelle zum Fortpflanzungsmedizingesetz – weitere Stimmen:

SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Andrea Brunner: "Das ist ein Meilenstein in Richtung einer modernen Fortpflanzungsmedizin in Österreich. Die SPÖ-Frauen fordern seit langem ein modernes Fortpflanzungsmedizin-Gesetz. Endlich ist in dieser Frage ein Durchbruch in Sicht."

SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder: "Es ist höchst erfreulich, dass die ÖVP in einigen Fragen über ihren Schatten gesprungen ist und den Weg frei macht für moderne Regeln der Fortpflanzung. Ich bin zuversichtlich, dass wir in Kürze ein neues Fortpflanzungsmedizingesetz haben, das auf der Höhe der Zeit ist, gleichzeitig aber auch ethischen Fragen in geeigneter Weise Rechnung trägt."

SoHo-Chef Peter Traschkowitsch: „Wir freuen uns sehr, dass dieser überfällige und wichtige Schritt ins 21. Jahrhundert nunmehr auf gesetzliche Beine gestellt wird.“

SPÖ-Frauen- und Gleichbehandlungssprecherin Gisela Wurm: „Dies ist ein wesentlicher Schritt in Richtung Gleichstellung von lesbischen mit heterosexuellen Paaren."