Industrie 4.0 – Soziale Frage berücksichtigen

Die Herausforderungen durch die 4. industrielle Revolution war ein Schwerpunktthema der SPÖ-Klubtagung. Aufgabe der Sozialdemokratie dabei ist es, die soziale Frage mitzudenken und zu beantworten.

Industrie 4.0 bedeutet ad-hoc vernetzte, dezentrale, echtzeitfähige und selbstoptimierende Produktions- und Logistiksysteme. Sie bringt maßgebliche Veränderungen für die Arbeitswelt mit sich. Zentrale Herangehensweise der Sozialdemokratie ist es, diese industrielle Revolution als keine rein technische, sondern vor allem als soziale Herausforderung zu verstehen. Dabei soll das Wohl aller Menschen im Mittelpunkt stehen, waren sich die DiskutantInnen bei der SPÖ-Klubtagung einig.

Zum Impulsreferat von Anna Steiger, Vizerektorin der TU-Wien, debattierten Sozialminister Rudolf Hundstorfer, Technologieminister Alois Stöger, SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter und SPÖ-Industriesprecher Rainer Wimmer. "Industrie 4.0 ist fokussiert auf die Produktion. Wenn schwere menschliche Arbeit durch Roboter ersetzt wird, sehen wir das grundsätzlich positiv. Soziale Auswirkungen von Technologie finden permanent statt. Wir müssen uns allerdings dafür einsetzen, die technischen Verbesserungen zum Wohle aller einzusetzen", führte Hundstorfer aus. Dabei stellt sich zunehmend die Frage, wie ein Sozialstaat aufrechterhalten werden kann, wenn sich Arbeitsformen weiterentwickeln. „Deshalb müssen wir zukünftig auch eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlage der Sozialversicherungsbeiträge diskutieren“, so Hundstorfer. Alois Stöger verwies auf die Spitzenrolle Österreichs beim Anlagenbau und bei Autozulieferung – „wir müssen Industrie 4.0 in Österreich halten“. Dazu sollen SozialpartnerInnen, UnternehmerInnen und TechnikerInnen kooperieren.

SPÖ-Wirtschaftssprecher Matznetter verwies auf die Auswirkungen der industriellen Neuerungen auf den Arbeitsmarkt. Es brauche eine „grundlegende Neugestaltung der Verhältnisse, bei der die Menschen im Mittelpunkt des Gestaltungswillens stehen. Dazu wird Arbeitszeitverkürzung unerlässlich." Auch SPÖ-Industriesprecher Wimmer sieht in Arbeitszeitverkürzung, etwa durch Freizeitoption und 6. Urlaubswoche, Ansätze, um vorhandene Arbeit auf mehr Menschen aufzuteilen – „diese Forderungen werden wir in Zukunft verstärkt aufgreifen“.

Anna Steiger von der TU Wien gab in ihrem Referat einen Einblick in die Arbeit der ersten „Pilotfabrik“ zu Industrie 4.0, die von der TU in Kooperation mit dem Technologieministerium 2014 gegründet wurde. Steiger wies auch auf den Gender-Aspekt solcher Projekte hin: „Wir bemühen uns, intensiv junge Frauen in ihrem technischen Interesse zu bestärken. Hier sind zahlreiche Initiativen der Politik besonders wichtig, wie beispielsweise ‚FIT – Frauen in die Technik‘ von Frauenministerin Heinisch-Hosek, welches genau im entscheidenden Alter, der Pubertät, ansetzt", betonte Steiger.