Erster Mai: Arbeit, Vollbeschäftigung und faire Löhne

Zum 125. Mal jährt sich heuer der traditionelle Festtag der Werktätigen – und er hat nichts an Bedeutung verloren. Denn die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen stehen nach wie vor im Zentrum der Forderungen.

„8 Stunden Arbeit – 8 Stunden Muße – 8 Stunden Schlaf“, so lautete die Losung der ersten Maikundgebungen 1890. Politische Meilensteine wie der Achtstunden-Tag (1918), das demokratische Wahlrecht für Männer (1907) und Frauen (1919), die Einrichtung von Betriebsräten (1919), die Gesundheitsversorgung und viele andere Reformen sind von der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften damals hart erkämpft worden. Der Maiaufmarsch war dabei immer ein essenzielles Transportmittel für die Forderungen der Sozialdemokratie.

Das hat sich bis heute nicht wesentlich geändert. Auch wenn es das völlig verarmte Proletariat in Österreich dank Sozialdemokratie, Gewerkschaft und Sozialpartnerschaft nicht mehr gibt, so gibt es in Sachen Arbeitsmarkt, Beschäftigung und ArbeitnehmerInnenrechte noch viel zu tun – gerade vor dem Hintergrund einer Weltwirtschaftskrise. Denn die Verbesserung der Beschäftigungs- und Lebensverhältnisse der Menschen in Österreich sind nicht ein Ziel, das wie das Erklimmen eines Berges ein für alle Mal erreicht werden kann und dann ist es für immer geschafft. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verändern sich, international und in Österreich. Und damit verändern sich auch die Lebensbedingungen der ArbeitnehmerInnen.

Sozialer Wohnbau, die Einführung der Kinderbeihilfe, Mutterschutz und Karenzgeld, die kostenlose Gesundenuntersuchung, 40- und 38,5-Stunden-Woche, Gratis-Kindergartenjahr und vieles mehr bis hin zur größten Steuerreform aller Zeiten, die zur Jahreswende 2015/16 in Kraft treten wird, sind Forderungen, die in den letzten 125 Jahren am 1. Mai auf Transparenten entlang der Ringstraße in Wien und auch in anderen Städten zu sehen waren. Sie sind bereits umgesetzt worden – und viele weitere berechtigte Forderungen wird es noch geben.

Der Anspruch der Sozialdemokratie nach dem Erringen von fairen Beschäftigungsverhältnissen und nach gerechter Verteilung des gemeinsam erarbeiteten Wohlstandes ist eine Aufgabe, die nie ausgedient haben kann. „Arbeit ist das zentrale Element sozialdemokratischer Programmatik, Ideologie, Vision“, sagte SPÖ-Vorsitzender Bundeskanzler Werner Faymann anlässlich der jüngsten Feierlichkeiten zum siebzigjährigen Bestehen der SPÖ nach dem Zweiten Weltkrieg. Und er fügt mit dem Verweis auf die heutigen Rahmenbedingungen hinzu, warum die Sozialdemokratie, warum der 1. Mai nie obsolet sein werden: „Vollbeschäftigung und faire Löhne dürfen nicht verdrängt werden von Pseudoflexibilität, von Steueroasen oder von einer Arbeitswelt, die von prekären Arbeitsverhältnissen dominiert ist.“ Dafür kämpft die Sozialdemokratie!

Der 1. Mai

In Folge der Ereignisse von Haymarket Riot (USA) beschloss die Zweite Sozialistische Internationale 1889 aus Solidarität, am 1. Mai 1890 für den Achtstundentag zu demonstrierten. So auch in Österreich, wo es in vielen Städten zu eindrucksvollen Kundgebungen kam. Im Laufe der Jahre wurde der 1. Mai immer mehr zum arbeitsfreien Tag erklärt und er entwickelte sich sehr schnell zum bedeutendsten Kampftag der Sozialdemokratie.

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