Andreas Schieder: Auftreten gegen Rassismus und Faschismus ist tägliche Aufgabe

"Wir müssen europaweit zu einem Klima beitragen, das von Toleranz, Freiheit und Menschlichkeit getragen ist", forderte der SPÖ-Klubobmann anlässlich der Gedenkveranstaltung zur Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen im Parlament. Die Gedenkrede hielt die Schriftstellerin Christine Nöstlinger.

"Das Auftreten gegen Rassismus und Faschismus muss eine tägliche Aufgabe sein und bleiben. Die Gräueltaten in den Konzentrationslagern des Dritten Reichs sind unvergleichlich. Gerade deshalb gilt es, sich dieser unvorstellbaren Taten zu erinnern und zu jeder Zeit mit aller Kraft gegen jede Form von Rassismus und Faschismus aufzutreten.

Wir müssen die Lehren aus der Vergangenheit ziehen und uns auch heute für Freiheit und Demokratie einsetzen, wo immer es notwendig ist", sagte SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder am Rande der heutigen Gedenkveranstaltung gegen Gewalt und Rassismus im Parlament anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen vor 70 Jahren.

Rassismus und Faschismus in Europa nicht gebannt

Dass Rassismus und Faschismus nicht gebannt sind, würden, so Schieder, einschlägige Tendenzen in verschiedenen europäischen Ländern zeigen. "Wir müssen europaweit zu einem Klima beitragen, das von Toleranz, Freiheit und Menschlichkeit getragen ist", betonte der SPÖ-Klubobmann.

"Noch können Zeitzeugen aus eigener Perspektive von den schrecklichen Erfahrungen berichten und die Erinnerung weitertragen. In Zukunft liegt es an uns, nachfolgenden Generationen ein Erinnern zu ermöglichen", betonte Schieder.

Gedenkrede von Christine Nöstlinger

Im Historischen Sitzungssaal des Parlaments hielt die Schriftstellerin Christine Nöstlinger die Gedenkrede. Nöstlinger schilderte ihre eigenen Erfahrungen. So habe sie zwar das Wort "Mauthausen" nicht gekannt, sehr wohl aber den Ausdruck "KZ", den sie hörte, wenn ihre Großmutter etwa auf die Nazis schimpfte. Auch als ihr Onkel in SS-Uniform zu ihrer Mutter sagte: "Ella, die Juden gehen alle durch den Rauchfang", war Nöstlinger nur klar, dass dies "etwas schrecklich Böses" bedeuten dürfte. "Durch den Rauchfang" sei dann auch "der Herr Fischl" gegangen, ein Schuster aus Nöstlingers Nachbarschaft. Seine Werkstatt und Wohnung habe ein "arischer" Schuster übernommen, so die Autorin. Ihre Mutter sei nicht damit klargekommen, dass sie nicht eingegriffen habe. Später sei Nöstlinger bewusst geworden, dass ihre Mutter "klein und hilflos" war und gegen "die Bagage" nichts ausgerichtet hätte.

"Frei von Schuld zu sein, heißt aber nicht, frei von Verantwortung zu sein", hielt die Schriftstellerin fest. Viele Menschen seien dieser Verantwortung gerecht geworden und haben als "Zeitzeugen" den nachfolgenden Generationen erzählt, wohin Rassismus geführt hat, so Nöstlinger. Leicht gemacht habe man es ihnen aber nicht immer, viele seien einfach "zu unbequem" gewesen. Sie haben beim Vergessen und beim "selbstzufriedenen 'Neuanfang'" gestört.

Nationalratspräsidentin Bures: Heute tragen wir Verantwortung für unsere Demokratie

Die Geschichte habe gezeigt, dass es diktatorische und faschistische Kräfte dann am leichtesten haben, wenn sie auf schwache Demokratien stoßen. "Es ist daher unser Auftrag, für eine starke Demokratie, einen lebendigen Parlamentarismus und einen funktionierenden Rechtsstaat Sorge zu tragen", erklärte Nationalratspräsidentin Doris Bures. "Heute tragen wir Verantwortung für unsere Demokratie, morgen werden es unsere Kinder sein. Wir müssen ihnen jene Werte mitgeben, die sie dafür brauchen."

Besonders bewegend waren die Lebensgeschichten der NS-Überlebenden Rudolf Gelbart, Lucia Heilman, Suzanne-Lucienne Rabinovici und Ari Rath, die teils von den ihnen selbst, teils von SchauspielerInnen des Burgtheaters vorgetragen wurden.