Aufklärungsinitiative zu gefälschten Arzneien aus dem Internet startet

Gefälschte Medikamente aus dem Online-Handel enthalten oft keine oder falsche Wirkstoffe und stellen eine unberechenbare Gefahr für die Gesundheit dar. Mit der neuen Initiative „Auf der sicheren Seite“ will Gesundheitsministerin Oberhauser das Bewusstsein für diese Risiken schärfen.

Immer öfter fallen Kundinnen und Kunden auf dubiose Online-Apotheken mit seriös gestalteten Webseiten herein. Gerade Muskelaufbaupräparate, Potenzmittel, Psychopharmaka, aber auch Arzneien anderer Gruppen werden in Österreich immer häufiger über das Internet bezogen. Dass diese Medikamente rezeptpflichtig sind, wissen viele ÖsterreicherInnen laut einer Umfrage von „Meinungsraum“, die die Apothekerkammer in Auftrag gegeben hat, nicht (60 Prozent bei Muskelaufbaupräparaten, 31 Prozent bei Viagra). Auch dass der Verkauf rezeptpflichtiger Medikamente in Österreich verboten ist, ist 48 Prozent der Befragten nicht klar.

Dazu kommt, dass zwar eine gewisse Grundskepsis beim Onlinekauf von Medikamenten vorhanden ist, und 47 Prozent der Befragten beteuern, dass wirklich sichere Medikamente nur in der Apotheke zu beziehen sind, aber eine seriöse Aufmachung der Homepage eines Online-Anbieters die Skepsis verfliegen lässt. Die Medikamente sind auch wegen der professionellen Aufmachung der Verpackung meist nicht als Fälschungen zu erkennen. Nichtsdestotrotz sind sie gefälscht: 95 Prozent der in den letzten Jahren von der Medizinmarktaufsicht getesteten Proben online verkaufter rezeptpflichtiger Medikamente waren gefälscht.

Initiative soll vor Gefahren des Onlinekaufs von Medikamenten warnen

Die neue Aufklärungsinitiative „Auf der sicheren Seite“ soll das Bewusstsein für die Gefahren, die von gefälschten Medikamenten ausgehen, schärfen. Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser  spricht von „Betrug an den KonsumentInnen“, die für ein Medikament bezahlen und dafür etwas bekommen, wo „entweder kein Wirkstoff, zu wenig davon, ein anderer Wirkstoff oder gar etwas Gefährliches enthalten ist“. „Die Initiative ‚Auf der sicheren Seite‘ soll die Menschen darauf aufmerksam machen, dass der Kauf von Medikamenten über das Internet keinesfalls mit dem sicheren Kauf in der Apotheke gleichzusetzen ist“, so Oberhauser.

Rezeptfreie Medikamente ab 25. Juni online via Apotheke bestellbar

Ab dem 25. Juni ist es in Österreich erlaubt, ausschließlich rezeptfreie Medikamente via Internet zu beziehen. Der Vertrieb obliegt dabei ausschließlich Apotheken. „Es braucht enge, klare Spielregeln, um sicherzugehen, dass in der Medikamentenpackung drin ist, was draufsteht“, unterstreicht Ministerin Oberhauser.

Gefälschte Medikamente aus dem Verkehr ziehen

Für die Gesundheitsministerin ist es wichtig, aufgegriffene Medikamente zu prüfen und aus dem Verkehr zu ziehen und die internationale Vernetzung im Kampf gegen Arzneimittelfälschungen zu forcieren. Ein Beispiel für die Gefahr, die von gefälschten Medikamenten ausgeht: Schätzungen zufolge sind im Jahr rund 100.000 Tote aufgrund gefälschter Malaria-Medikamente zu beklagen. Diese „Medikamente“ enthalten oft Staub, Gifte und Abfall und können gesundheitliche Schäden verursachen.

Arzneimittelfälschungs-Industrie organisierte Kriminalität

Die Produktionsstätten für illegale Arzneien liegen großteils in Südostasien, wo diese oft durch Kinderarbeit hergestellt werden. Vertrieben werden sie dann über kriminelle Netzwerke. Bei der Arzneimittelfälschungs-Industrie handelt es sich um organisierte Kriminalität; es wird von einem weltweiten Umsatz von 100 Mrd. Dollar ausgegangen – Tendenz steigend.

Die Initiative „Auf der sicheren Seite“ beinhaltet eine Website, Warnhinweise, die bei der Internetsuche nach Begriffen rund um den Medikamentenkauf aufscheinen, Werbebanner auf stark frequentierten Internetseiten, einen Youtube-Spot, sowie eine Postkartenaktion in Apotheken und Sportvereinen.

Weitere Informationen gibt es auf der Website der Aufklärungsinitiative.