Frauenbarometer: Einkommensgerechtigkeit und bessere Aufstiegschancen gefordert

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat das neunte Frauenbarometer mit dem Schwerpunkt „Berufsleben“ präsentiert. Lohngleichheit und Aufstiegsmöglichkeiten sind Anliegen, die bei Frauen an Bedeutung gewonnen haben. Auch das Wissen um Nachteile der Teilzeitarbeit ist gestiegen.

Die seit 2012 regelmäßig durchgeführte repräsentative Online-Umfrage unter 1.000 Frauen und Männern zu frauenpolitischen Themen zeigt: „Die Arbeitsmarktsituation beschäftigt Frauen und Männer sehr“, so Heinisch-Hosek. Signifikant zugenommen hat dabei für Frauen die Bedeutung des Themas Einkommensgerechtigkeit. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist ein Dauerbrenner. Dabei sind Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten und berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten den Frauen wichtiger geworden“, sagte Heinisch-Hosek.

„Gender-Gaps“ beim Thema Einkommensgerechtigkeit

Die Befragung zeigt einige signifikante „Gender-Gaps“: Die Hälfe der Frauen (gegenüber 40 Prozent der Männer) gibt an, mit ihren Aufstiegsmöglichkeiten nicht zufrieden zu sein, sie sind außerdem doppelt so häufig wie Männer damit „gar nicht zufrieden“. Frauen finden es außerdem doppelt so häufig „gar nicht gerecht“, dass Frauen in allen Berufsgruppen weniger verdienen als Männer. Einen großen „Gender-Gap“ gibt es zudem bei der Frage, für wie geeignet verpflichtende Frauenquoten in Führungspositionen angesehen werden. 60 Prozent der Frauen und 36 Prozent der Männer halten sie für geeignet.

Nachschärfungen im Einkommenstransparenzgesetz

Mit den verpflichtenden Einkommensberichten wurde ein Instrument geschaffen, um für mehr Transparenz und Offenheit beim Thema Lohngleichheit zu sorgen. Die große Mehrheit der Frauen hält diese für ein geeignetes Mittel, die meisten wünschen sich eine bessere Aufschlüsselung der Gehaltsbestandteile und eine Offenlegung der bisher anonymisierten Berichte. Für Nachschärfungen im Einkommenstransparenzgesetz spricht sich auch Heinisch-Hosek aus. Die will in Kürze den Evaluierungsbericht zu den Einkommensberichten vorlegen und mit den Sozialpartnern die Gespräche aufnehmen. „Ich möchte, dass wir in diesem Land über Geld reden. Die Verschwiegenheitspflicht muss weg“, betonte die Ministerin.

Ungleichgewicht bei Verteilung von Arbeit

Das Frauenbarometer zeigt außerdem deutlich: „Überstunden sind männlich, Teilzeit typisch weiblich“, so Heinisch-Hosek. So arbeiten 83 Prozent der befragten Männer, aber nur 49 Prozent der befragten Frauen Vollzeit. Zudem machen doppelt so viele Männer wie Frauen regelmäßig mehr als 10 Überstunden im Monat. Jede vierte Teilzeitbeschäftigte gibt an, in Vollzeit wechseln zu wollen. Auf dieses „massive Ungleichgewicht“ in der Arbeitsverteilung muss reagiert werden, so Heinisch-Hosek. Sie schlägt unter anderem einen „Gesundheits-Euro“ vor, eine Abgabe auf Überstunden, welche in betriebliche, gesundheitsfördernde Maßnahmen oder die Schaffung neuer Arbeitsplätze fließen könnte. Außerdem müssten Teilzeitbeschäftigte bei der Besetzung einer Vollzeitstelle in Unternehmen bevorzugt werden.

Bewusstsein um Teilzeit hat zugenommen

Ein weiteres wichtiges Ergebnis des Frauenbarometers, das die Relevanz der Aufklärungsarbeit seitens des Frauenministeriums bestätigt: Gegenüber 2012 hat das Wissen um mögliche Nachteile von Teilzeitarbeit deutlich zugenommen: Fühlten sich 2012 lediglich 27 Prozent der Befragten „gut“ oder „sehr gut“ über das Thema informiert, sind es 2015 bereits 42 Prozent. „Das Bewusstsein, dass Teilzeitarbeit viele Nachteile hat, etwa im Hinblick auf die spätere Pensionshöhe, ist gestiegen“, freut sich die Ministerin, die in Kürze eine neue Informationsbroschüre zum Thema Pensionen und Teilzeitarbeit präsentieren wird und die Aufklärungsarbeit fortsetzen will.

„Wir sind auf dem richtigen Weg. Dennoch gilt es, trotz angespannter Arbeitsmarktlage, insbesondere für Frauen bessere Rahmenbedingungen zu schaffen“, hielt die Ministerin fest.