Faktor Entlohnung bei Älteren viel geringer als vermutet

Die IHS-Studie des Sozialministeriums „Relevanz und Auswirkungen des Senioritätsprinzips am österreichischen Arbeitsmarkt“ relativiert das gängige Vorurteil, wonach Ältere zu teuer sind und dies für Unternehmen ein Einstellungshemmnis darstellt.

Laut Marcel Fink und Helmut Hofer vom IHS, die gemeinsam mit Sozialminister Hundstorfer die Studie präsentierten, sei eine Verengung der Debatte auf Lohnsenioritätsregelungen wissenschaftlich nicht nachvollziehbar. Fink und Huber betonten, dass es ein generelles Altersproblem gebe, das sich aber nicht an einem in manchen Branchen üblichen Senioritätsprinzip (höhere Gehälter bei zunehmendem Alter) festmachen lässt. Dazu kommt, dass die größte Gruppe derer, die im Alter Beschäftigungs- und Arbeitslosigkeitsprobleme haben, ArbeiterInnen sind. Also meist aus Branchen kommen, in denen es kaum bzw. überhaupt keine Senioritätsregelungen gibt. Umgekehrt ist festzustellen, dass der Beschäftigungsanteil Älterer in Branchen mit stärkerer kollektivvertraglicher Senioritätsentlohnung höher ist. Insgesamt aber ist es in allen Branchen zu einer deutlichen Abflachung der durchschnittlichen Einkommensprofile innerhalb der letzten 20 Jahre gekommen.

Im europäischen Vergleich auch bei den Älteren sehr gut

Mit einer Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent bei den 50-64-Jährigen liegt Österreich im europäischen Vergleich (EU-Durchschnitt: 7,5 Prozent) sehr gut. Auch der Anteil der Langzeitarbeitslosen ist mit 46,2 Prozent (EU-Durchschnitt: 61,1 Prozent) ein guter Schnitt. "Die Zahlen zeigen aber auch, dass es für ältere Menschen, wenn sie einmal den Job verlieren, schwerer wird, wieder einen Arbeitsplatz zu finden. Die Herausforderung ist es, die Beschäftigungsquote entsprechend anzuheben", sagte Hundstorfer.

Dazu wurden Maßnahmen gesetzt: So betrug das Fördervolumen für die Generation 50+ 2014 199 Mio. Euro, 2015 (bis Ende Juni) 110 Mio. Euro. Gezielte und vielfältige Förderangebote des AMS, von Bildungsmaßnahmen über Arbeitsstiftungen und spezieller Betreuung für arbeitssuchende ältere Menschen, werden angeboten. Beim Programm „fit2work“ nahmen bereits 26.753 Personen eine Erstberatung in Anspruch. „Was wir weiter ausbauen müssen und wollen ist die Betriebsberatung“, kündigte der Sozialminister an. Weiters ist die medizinische und berufliche Rehabilitation statt Frühpension zu nennen. 3.986 Personen haben im 1. Halbjahr 2015 mit medizinischer Rehabilitation begonnen, 1.442 Personen befinden sich in beruflicher Rehabilitation.

Die Regierung hat aber auch die Beschäftigungsinitiative 50+ gestartet. Dafür wurden 2014 100 Mio. Euro zur Verfügung gestellt, 2015 werden es 120 Mio. Euro sein, 2016 und 2017 je 250 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr 2015 wurden dadurch 9.896 Personen mit Beschäftigungsbeihilfen in den Arbeitsmarkt eingegliedert. 4.683 Personen wurde eine Beschäftigung in einem sozialen Unternehmen (2. Arbeitsmarkt) ermöglicht.

Paradigmenwechsel erforderlich

Als wesentliche Maßnahme nannte Hundstorfer auch die Einführung der Teilpension, „um Menschen ab 62 weiterhin die Möglichkeit zu geben, in Beschäftigung zu bleiben“, die ab 1. Jänner 2016 wirksam ist. Auch gebe es einige arbeitsmarktpolitische Pilotprojekte im Rahmen des Europäischen Sozialfonds. „Was für uns alle notwendig ist, ist ein Paradigmenwechsel, damit das Thema länger im Erwerbsleben zu stehen, etwas Positives ist und nichts Negatives. Diesen Paradigmenwechsel brauchen wir alle, also sowohl arbeitgeberseitig als auch arbeitnehmerseitig“, erklärte Hundstorfer.