Bildungsreform: Verschränkte Ganztagsschule ist Schule der Zukunft

SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek und SPÖ-Bundesgeschäftsführer Gerhard Schmid haben die Ergebnisse der Mitgliederbefragung zum Thema Bildung präsentiert. Die gibt der Ministerin Rückenwind: Eine Hauptforderung, die auch die große Mehrheit der SPÖ-Mitglieder unterstützt, ist der Ausbau der verschränkten, ganztägigen Schule mit Kernarbeitszeiten.

90 Prozent der Befragten SPÖ-Mitglieder sprechen sich für den verstärkten Ausbau von verschränkten Ganztagsschulen aus, 87 Prozent für ein verpflichtendes zweites Gratis-Kindergartenjahr, 86 Prozent sagen, dass die SPÖ den Druck für die gemeinsame Schule erhöhen soll. Das Feedback der knapp 5.000 Rückmeldungen der großen Online-Umfrage gibt damit „kräftigen Rückenwind für die Bildungsministerin und für unsere Kernforderungen“, betonte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Gerhard Schmid bei der Präsentation der Ergebnisse gemeinsam mit Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Deren Hauptforderungen sind nämlich der Ausbau verschränkter Ganztagsschulen mit Kernarbeitszeiten, ein früherer Einstieg ins Bildungssystem und die spätere Trennung von SchülerInnen in der Schullaufbahn.

Mehr Schulautonomie

Zuversichtlich stimmt Heinisch-Hosek, dass bei der letzten Zusammenkunft der Bildungsreformkommission im Juli weitgehend eine Einigung darüber erzielt wurde, welche Bereiche schulautonom geregelt werden können. „Es ist wichtig, an einem Strang zu ziehen, um die Bildungs- und Schulreform zu bewältigen“, so Heinisch-Hosek. Konkret soll mehr Autonomie bei der Gestaltung des Schuljahres und der Stundentafel, bei der Entwicklung neuer Fächer oder bei der Einführung längerer Schuleinheiten ermöglicht werden. Neue Verwaltungseinheiten, die mehrere „Filialen“ betreuen, sollen den Erhalt von Kleinstschulen erleichtern. Zudem soll auch die personelle Gestaltungsfreiheit für Schulen ausgebaut werden.

Alle Kinder mitnehmen

„Um Bildungsgerechtigkeit herzustellen, ist es uns wichtig, alle Kinder mitzunehmen“, betonte die Bildungsministerin. „Die verschränkte ganztägige Schule ist die Schule der Zukunft. Sie hat von 7 bis 17 Uhr offen, es gibt einer Kernarbeitszeit und danach Sportangebote, Mittagessen, Freizeit und Hausübungseinheiten. Die Schultasche soll überflüssig werden“, sagt Heinisch-Hosek. Wissensvermittlung ist dabei natürlich wichtig, „aber nicht nur“. In einer verschränkten ganztägigen Schule ist es auch möglich, die Kinder besonders zu fördern und zu fordern, etwa mittels Leistungs- und Talentgruppen. Außerdem soll, geht es nach der Ministerin, der Tagesrhythmus der Kinder geändert werden, der seit Jahrzehnten der alten Strategie folgt, dass der Unterricht an einem halben Tag stattzufinden hat und nachmittags die Betreuung zuhause folgt. „Das ist schon lange nicht mehr so“, stellte Heinisch-Hosek fest. Ziel ist es außerdem, dass alle SchülerInnen die verschränkte ganztägige Schule gemeinsam besuchen, denn „die spätere Trennung der Kinder ist die Methode der Zukunft“. Die Kinder können so am besten voneinander lernen. Mit 15 Jahren sollen die SchülerInnen dann die Wahl haben zwischen einer weiterführenden Oberstufe oder einer Lehre und mit 18 einen Abschluss haben, „der ihnen Wege eröffnet“. „Es ist wichtig, keine Kinder im System zu verlieren“, steht für die Bildungsministerin fest.

Früherer Einstieg ins Bildungssystem

Auch der frühere Einstieg ins Bildungssystem ist für die Ministerin Teil der Bildungsreform. „Mit vier Jahren einzusteigen trägt erwiesenermaßen dazu bei, dass später weniger Unterschiede bestehen und daher weniger aufzuholen ist“, sagt Heinisch-Hosek. Ein spielerischer Einstieg ins Schulsystem mit einem fließenden Übergang vom Kindergarten in die Volksschule wird schon mit übernächstem Schuljahr Wirklichkeit. Derzeit gibt es bereits 80 Pilotprojekte, die bestens funktionieren.