Käthe Leichter: Symbolfigur der Sozialdemokratie und Leitbild der Frauenforschung

Am 20. August jährt sich Käthe Leichters Geburtstag zum 120. Mal. Die SPÖ erinnert an eine der außergewöhnlichsten und begabtesten Frauen ihrer Zeit, die zu einer der Symbolfiguren der SPÖ und zum Leitbild der Frauenforschung, der ArbeiterInnenbewegung und des Widerstandes wurde.

„Käthe Leichter war eine der bedeutendsten Frauen im politischen Leben der Ersten Republik, eine der führenden Frauen der österreichischen Sozialdemokratie und Vorreiterin in Sachen Gleichberechtigung“, sagt SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Andrea Brunner. Vor 120 Jahren wurde Käthe Leichter als Marianne Katharina Pick in Wien geboren. Sie besuchte das Beamten-Töchter-Lyzeum und schloss sich frühzeitig der radikalen, ,,bürgerlichen“ Jugendbewegung an, der es um die umfassende Befreiung des Menschen ging. Sie studierte Staatswissenschaften in Wien, wo sie jedoch als Frau von der Abschlussprüfung ausgeschlossen war, und in Heidelberg, wo sie 1918 bei Max Weber promovierte. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wird sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Staatskommission für Sozialisierung in Wien sowie Konsulentin bei Finanzminister Josef Schumpeter und baut ab 1925 das Frauenreferat in der Arbeiterkammer auf. 1932 wurde sie in der Wiener Arbeiterkammer als erste Frau in den Betriebsrat gewählt. „Ihr Engagement galt einer besseren Lebenssituation für Frauen in der Gesellschaft, der Frauenbildung als Grundlage echter Chancengerechtigkeit und gegen die einseitige Betonung der Mutterschaft als weiblichen Lebenszweck“, betont Brunner.

Pionierarbeit in der Frauenforschung

Leichter leistete mit ihren zahlreichen Publikationen zur wirtschaftlichen und sozialen Rolle der Frauen wissenschaftliche Pionierarbeit, die richtungsweisend für viele Forscherinnen und politisch aktive Frauen nach ihr war. Ihre sozialpolitischen Erhebungen, beispielsweise über die Lage der Hausgehilfinnen oder der Heim- und Industriearbeiterinnen, gehörten zu den wichtigsten frauenrelevanten Publikationen der Zwischenkriegszeit. Die Themen und Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit waren „bahnbrechend“ für viele Verbesserungen in der Arbeitswelt, so SPÖ-Bundesgeschäftsführer Gerhard Schmid. „Ihr Einsatz galt denjenigen, die unter schwersten Bedingungen ihren Lebensunterhalt verdienten: den Arbeiterinnen“, resümiert Schmid.

Arbeit im Untergrund

Im Ständestaat arbeitete Leichter im Untergrund, 1936 übernahm sie die Leitung des politischen Nachrichtendienstes der Revolutionären Sozialisten. 1938 wurde Leichter von der Gestapo verhaftet; während der Haft wurde ihr die Doktorwürde von der Universität Heidelberg aberkannt. Die Übernahme des Bescheids zur Aberkennung des Doktortitels musste Leichter im Konzentrationslager Ravensbrück unterschreiben, wohin sie Anfang 1940 überstellt wurde. 1942 wurde Käthe Leichter in der Tötungsanstalt Bernburg ermordet.

Käthe-Leichter-Preis für herausragende Leistungen von WissenschafterInnen

Um das Andenken an Käthe Leichter zu pflegen, wurde in der Amtszeit von Frauenministerin Johanna Dohnal der „Käthe-Leichter-Preis – Österreichischer Staatspreis für die Frauengeschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung“ ins Leben gerufen und 1992 erstmals vergeben. Nach einer mehrjährigen Pause unter Schwarz-Blau wird der Preis auf Druck der SPÖ seit 2005 wieder jährlich für herausragende Leistungen von Wissenschaftlerinnen im Bereich der Frauenforschung und der Arbeitswelt vergeben. „Der Käthe-Leichter-Preis soll das Andenken an Käthe Leichter lebendig halten und gleichzeitig jene, die in ihrem Sinne weiterarbeiten, würdigen“, sagt Brunner.

Mehr Informationen über Käthe Leichter stehen u.a. auf der Website des Renner-Instituts und im Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie zur Verfügung.