Industrie,

Industrie als Rückgrat der Wirtschaft ausbauen

Wie Modelle intelligenter Arbeitszeitverkürzung, eine Wertschöpfungsabgabe und die goldene Investitionsregel die Entwicklung im Sinne der ArbeitnehmerInnen und des Industriestandorts mitgestalten können, hat der SPÖ-Klub präsentiert.  

Besonders in wirtschaftlichen Krisenzeiten ist eine starke Industrie wichtig. „Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Länder mit einem großen Industrieanteil besser durch die Krise gekommen sind, als reine Dienstleistungsökonomien“, betonen SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder und SPÖ-Industriesprecher Rainer Wimmer am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz. Derzeit liegt der Industrie-Anteil am österreichischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei 18,7 Prozent. Mit rund 30.000 Betrieben, die der Industrie zugerechnet werden, und etwa 700.000 Beschäftigten zählt Österreich zu den stärksten Industrieländern innerhalb der EU. „Das wollen wir erhalten und ausbauen. Bis 2018 soll der Industrieanteil auf 20 Prozent steigen. Dafür gilt es, auf europäischer wie auf nationaler Ebene Maßnahmen in den Bereichen Ausbildung, Infrastruktur, den ArbeitnehmerInnenrechten und der Verteilungsgerechtigkeit zu setzen“, betont SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder.

Gerechte Verteilung von Arbeit und Arbeitszeit

Modelle intelligenter Arbeitszeitverkürzung wie die Freizeitoption sind eine Antwort darauf, dass immer weniger Menschen immer mehr produzieren. „Das ist nicht neu, jede industrielle Revolution hat bisher eine Produktionssteigerung und eine Verkürzung der Arbeitszeit mit sich gebracht“, so Wimmer.

Soziale Sicherheit

Die Finanzierung der Sozialsysteme über die Lohnnebenkosten stößt im Zeitalter von Industrie 4.0 an ihre Grenzen. Daher müssen alle Formen der Wertschöpfung in die Finanzierung des österreichischen Sozialsystems einbezogen werden: Eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlage ermöglicht auch eine Entlastung für personalintensive Betriebe.

Steuergerechtigkeit herstellen

Damit auch international tätige Konzerne entsprechend Steuern zahlen, können Steuerschlupflöcher durch eine Besteuerung entlang der Wertschöpfungskette geschlossen werden. "Einhergehen muss dies mit einer EU-weiten Harmonisierung der Körperschaftssteuer, versehen mit einem Mindeststeuersatz", regt Schieder an.

Investitionen fördern

Um eine positive Investitionskultur zu schaffen, sollen durch die ‚golden investment rule‘ staatliche Nettoinvestitionen aus der Staatsverschuldung herausgerechnet werden. Außerdem soll "tax adjustment" auf europäischer Ebene eingeführt werden. "Im Vergleich zu den hohen europäischen Sozial- und Umweltstandards sind diese in den außereuropäischen Ländern meist niedriger. Mit ‚tax adjustment‘ wird ein steuerlicher Anreiz gegeben, um die europäischen Produktionsstandorte zu halten und gleichzeitig die außereuropäischen zu motivieren, ihre Standards zu heben.

Fachkräfte

Gut ausgebildete Fachkräfte sind bereits jetzt ein wesentlicher Standortfaktor. In Zukunft werden sich die Qualifikationsanforderungen schneller ändern, daher ist eine qualitätsvolle Ausbildung noch wichtiger. Trotz des oft beklagten Fachkräftemangels ziehen sich immer mehr Betriebe aus der Fachkräfteausbildung zurück. „Alle Unternehmen, die Lehrlinge ausbilden könnten, zahlen in einen Topf ein, aus dem wiederum jene Betriebe unterstützt werden, die Lehrlinge ausbilden. Auch die überbetriebliche Lehrausbildung könnte so finanziert werden“, schlägt Wimmer vor und fordert zudem arbeitnehmerInnenfreundliche Möglichkeiten zur Weiterbildung in- und außerhalb des Betriebs.

Infrastruktur und Forschungsförderung

Neben qualifizierten Fachkräften ist eine hervorragende Infrastruktur der zweite zentrale Standortfaktor. „Die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur ist und bleibt Aufgabe der öffentlichen Hand. Neben Verkehrs- und Energienetzen muss heute vor allem der Breitbandausbau vorangetrieben werden, um Österreich als Innovationsland zu stärken“, hält Schieder fest. Auch die vielfältige Unterstützung der Forschung in Hinblick auf neue Produktionstechnologien (Stiftungsprofessuren, Pilotfabriken, etc.) muss auf hohem Niveau aufrechterhalten werden.

Mitbestimmung ausbauen

Ein besonderer Stellenwert kommt im Umgang mit Industrie 4.0 den ArbeitnehmerInnen zu. "Wir sehen die Digitalisierung der Arbeitswelt als Herausforderung und Ansporn an und wollen aktiv daran teilnehmen. ArbeitnehmerInnen und BetriebsrätInnen müssen an diesem Übergang zu neuen Produktionsformen mitwirken können", so Schieder und Wimmer.