OECD, Schule

Neue OECD-Bildungsstudie: Österreichs Berufsschulwesen top

Für seine Berufsbildung bekommt Österreich von der OECD Bestnoten, auch die Arbeitslosenrate ist im Vergleich noch immer relativ niedrig. Verbessern müssen wir uns bei der Bildungsvererbung – die gemeinsame Schule ist dabei besonders wichtig.

Topaktuell und sehr aufschlussreich: So präsentiert sich die neue OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2015“ („Education at a glance“), deren Österreich-Teil vor kurzem von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek präsentiert wurde. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nimmt im Rahmen ihrer Studie die Bildungssysteme der 34 OECD-Länder sowie von zwölf Partnerländern genau unter die Lupe. Die Österreich-Resultate zeigen, wie Ministerin Heinisch-Hosek sagte, „Licht und Schatten“. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

Berufsschulwesen mit Vorzeigecharakter

Besonders stark präsentiert sich – wie schon in den Jahren zuvor – dass rot-weiß-rote Berufsschulwesen. „Bei der Berufsbildung sind wir weiterhin international top“, freute sich Ministerin Heinisch-Hosek. Weiteres Plus: Österreichs Schulsystem bereitet die SchülerInnen besonders gut auf den Arbeitsmarkt vor. So liegt der Anteil jener, die weder in Ausbildung noch in Beschäftigung sind, deutlich unter dem OECD-Schnitt. Maßnahmen wie überbetriebliche Lehrwerkstätten oder das Job-Coaching zeigen hier ihre positive Wirkung, die durch die noch zu verankernde Ausbildungsgarantie bis 18 weiter verstärkt werden wird.

Mehr AkademikerInnen

Zugelegt hat Österreich bei der AkademikerInnenquote: Lag der Wert 2012 noch bei 20 Prozent, lag er – auch durch die neue Einordnung von Bildungsabschlüssen – im Jahr 2014 (aktuellste Zahl) bei 30 Prozent. Zum Vergleich: der OECD-Schnitt liegt bei 33 Prozent.

Hohes Bildungsniveau

„Bildung auf einen Blick 2015“ zeigt, dass die ÖsterreicherInnen über ein gutes Bildungsniveau verfügen. Konkret verfügen 84 Prozent der 25- bis 64-Jährigen über einen Abschluss der Sekundarstufe II (also z.B. Matura oder Lehre). In der OECD liegt der Anteil bei nur 76 Prozent.

Kleinere Klassen, bessere Betreuung

Während im OECD-Schnitt 21 Kinder in einer Volksschulklasse sitzen, sind es in Österreich nur 18. Auch in der Neuen Mittelschule und in der AHS-Unterstufe setzt sich dieser Trend fort: In der OECD beträgt die durchschnittliche Klassengröße 24, in Österreich nur 21. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil kleinere Klassen eine bessere Förderung ermöglichen. Auch das Betreuungsverhältnis ist in Österreich deutlich besser als im OECD-Schnitt. In unseren Volksschulen kommt auf 12 SchülerInnen ein Lehrender, in der OECD dagegen hat ein Lehrender 15 SchülerInnen zu betreuen.

Verbesserungsbedarf bei Bildungsvererbung

Wie wichtig es ist, dass die gemeinsame Schule in Modellregionen Teil des vor kurzem präsentierten Bildungsreform-Pakets ist, zeigt sich anhand der so genannten „Bildungsmobilität“. Während in der OECD 32 Prozent der 25- bis 34-Jährigen einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern schaffen, sind es in Österreich nur 21 Prozent. Für die Bildungsministerin ist das auch auf die viel zu frühe Trennung unserer Kinder zurückzuführen, bei der Talente und Begabungen verloren gehen. Die Ministerin setzt daher auf eine früh ansetzende ganztägige Betreuung und auf die gemeinsame Schule: „Die gemeinsame Schule kann zusammen mit qualitätsvoller ganztägiger Betreuung davor bewahren, familiäre Bildungsnachteile mitzuschleppen und in Arbeitslosigkeit zu geraten“, betonte Heinisch-Hosek. Auch die mit 800 Mio. Euro dotierte Ausbauoffensive in Sachen Ganztagsschulen ist im Kampf gegen die Bildungsvererbung von entscheidender Bedeutung. Denn Ganztagsschulen bieten mehr individuelle Förderung und Unterstützung.

Bei frühkindlicher Betreuung aufholen

Während Österreich bei den frühkindlichen Bildungseinrichtungen für die Vier- und Fünfjährigen besser liegt als der OECD-Schnitt, gibt es noch „Nachholbedarf“ bei den Plätzen für Zwei- bis Dreijährige, sagte die Ministerin. Auch dem in der Bildungsstudie dokumentierten Faktum, dass Frauen zwar besser ausgebildet sind als Männer, aber um einiges weniger verdienen, muss effektiv begegnet werden. Zum Beispiel durch ein Weiterentwickeln der Einkommenstransparenz-Gesetze oder dem verstärkten Bemühen, mehr Mädchen für einen Bildungsweg oder einen Beruf im technischen Bereich zu begeistern.

Web-Tipp:

Nähere Informationen zum Österreich-Teil der großen OECD-Bildungsstudie gibt es hier