Heinisch-Hosek und Stöger wollen mehr Väter-Engagement ermöglichen

Viele Väter wollen sich stärker bei der Kindererziehung engagieren. Im Rahmen eines EU-Projekts sollen in Österreich die Bedingungen für mehr Väterbeteiligung bei der Familienarbeit verbessert werden.

Eine vom IHS durchgeführte Befragung zeigt, dass sich eine Mehrheit der Bevölkerung (52 Prozent) wünscht, dass sich Männer in Zukunft mehr an der Kinderbetreuung und Pflege beteiligen. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch bei jungen Menschen bis 24 Jahren (61 Prozent) sowie in der Altersgruppe bis 44 Jahre (58 Prozent).Trotzdem zeigt die gesellschaftliche Realität ein anderes Bild.

Mit einem gemeinsamen Projekt wollen Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Sozialminister Alois Stöger dieser Diskrepanz begegnen. Ziel ist eine gerechtere Verteilung von Karenz-, Betreuungs- und Arbeitszeiten. „Wir alle wissen, dass es weitere Anstrengungen und Maßnahmen braucht, um eine gleichberechtigte Aufteilung von Kindererziehung und Arbeitszeit für Elternpaare zu ermöglichen. Aus Sicht der gesellschaftlichen und ökonomischen Gleichstellung von Frauen ist es wichtig, dass sich Kinder und Berufsleben nicht länger ausschließen“, so Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek.

Aufholbedarf in männerdominierten Branchen

Vor allem in männerdominierten Branchen besteht Aufholbedarf. „Hier sind Väterkarenz oder vereinbarkeitsfreundliche Arbeitszeiten eher die Ausnahme als die Regel“, sagt Sozialminister Alois Stöger. Als „männerdominiert“ gelten jene Branchen, in denen über 70 Prozent der Beschäftigten Männer sind. In Österreich sind das „Bau“, „Herstellung von Waren“, „Verkehr“ sowie „Information und Kommunikation“. Auf diese vier Bereiche wird im Rahmen des Projektes ein besonderes Augenmerk gelegt.

Neue Strategien entwickeln

Auf wissenschaftlicher Basis sollen neue Strategien und Modelle entwickelt werden, die auf betrieblicher und sektoraler Ebene die Beteiligung von Männern an der Karenz erhöhen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern. Teil des Projekts ist auch ein Online-Haushaltsrechner als Werkzeug, um die finanziellen Auswirkungen der gleichmäßigen Verteilung von gemeinsamer Betreuung und bezahlter Arbeit deutlich zu machen. Dazu kommen österreichweite „Mutual Learning Meetings“ mit PraktikerInnen, ExpertInnen und SozialpartnerInnen, um Strategien zu entwickeln, wie die betrieblichen Rahmenbedingungen für mehr Väterbeteiligung gestaltet werden können. Ein eigens erstelltes Handbuch für Betriebe und SozialpartnerInnen soll Good-Practice-Beispiele aus Betrieben enthalten, dazu sind spezifische Schulungen für BetriebsrätInnen sowie eigens zu entwickelnde Seminare für Personalverantwortliche und Unternehmen vorgesehen.

Brunner: Hürden beseitigen

SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Andrea Brunner begrüßt das Projekt. In der Arbeitswelt gebe es noch „zahlreiche Hürden“ auf dem Weg zu mehr Väterbeteiligung. Unternehmen müssten einen Beitrag leisten, damit Väterbeteiligung erleichtert wird, sagt Brunner und verweist etwa auf die Notwendigkeit eines Papa- bzw. Babymonats. „Wir wollen die Rahmenbedingungen verbessern, damit sich Väter in Zukunft mehr an der Kinderbetreuung und Familienarbeit beteiligen. Das heute präsentierte Projekt stellt dazu die Weichen“, so Brunner.

Über das Projekt:

Das Projekt „Männer und Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Wege zur gerechten Verteilung von Karenz-, Betreuungs- und Arbeitszeiten“ wird federführend vom Sozialministerium in Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung und Frauen, L&R Sozialforschung sowie der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt – FORBA sowie mit Unterstützung durch Mittel des Programms der Europäischen Union für „Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft" (2014 – 2020) vom 10.12.15 bis 09.12.17 umgesetzt. Projektpartner sind die Arbeiterkammer, der ÖGB und die Industriellenvereinigung. Am EU-Call haben sich 20 EU-Länder beteiligt, wobei davon 16 EU-Mitgliedsstaaten einen Zuschlag erhielten. Das Anbot des Sozialministeriums in Kooperation mit den ProjektpartnerInnen erhielt vom zuständigen Evaluierungsausschuss die zweitbeste Bewertung. Gesamtkosten dieses EU-Projektes sind ca. 466.350 EURO, wobei die EU davon 77,31% übernimmt (ca. 360.500 EURO) und Österreich als nationale Kofinanzierung 22,69%.