Autonomiepaket: Herzstück der Bildungsreform geht in Begutachtung

Das Autonomiepaket – das Herzstück der Bildungsreform – geht in Begutachtung. Zentrales Ziel ist es, PädagogInnen mehr Gestaltungsspielraum zu geben, um bestmöglich auf die Bedürfnisse der SchülerInnen am jeweiligen Schulstandort eingehen zu können. „Jetzt kommt Schwung in das Bildungssystem – keine Sekunde zu früh“, sagte Bildungsministerin Sonja Hammerschmid. Die Ministerin stellte klar: „Dieses Paket wird durchgezogen!“

Die PädagogInnen sollen „eigenverantwortlich, selbstbestimmt und frei“ gestalten können, sagte die Ministerin bei der heutigen Präsentation des Gesetzesentwurfs gemeinsam mit ihren Verhandlungspartnern Staatssekretär Mahrer, Landeshauptmann Haslauer und Landeshauptmann Peter Kaiser.  „Unsere PädagogInnen wissen sehr genau, was unsere Schülerinnen und Schüler brauchen.“ Das Autonomiepaket bringt mehr Freiraum und Transparenz für die PädagogInnen. „Genau für sie machen wir dieses Paket zum Wohle unserer Kinder“, betonte Hammerschmid.

Eckpunkte sind nicht verhandelbar

„Gute Ideen können in der Begutachtung immer eingebracht werden, aber die Eckpunkte stehen und sind nicht weiter verhandelbar“, stellte die Ministerin klar. Das Paket dürfe „nicht verwässert werden“. Es ist Ergebnis intensiver Verhandlungen, bei der auch die Lehrergewerkschaft eng eingebunden war. Hammerschmid erwartet von allen VerhandlungspartnerInnen Handschlagqualität: „Ich gehe davon aus, dass die Vereinbarung hält.“

Kaiser: Chancen für unsere Kinder nutzen!

Für Landeshauptmann Peter Kaiser ist das Schulautonomiepaket „ein wichtiger Schritt in Richtung eines modernen Bildungssystems, wie es den heutigen Anforderungen entspricht.“ Das Schulautonomiepaket ermögliche, auf regionale Unterschiede einzugehen und mit neuen gesellschaftlichen und pädagogischen Anforderungen Schritt zu halten. Kaiser appellierte an die Lehrergewerkschaft, „die Chancen und Perspektiven, die das Autonomiepakt bietet, für unsere Kinder zu nutzen“.

Niedermühlbichler: Mehr Selbstbestimmung und Gestaltungsspielraum

„Autonomie und Eigenverantwortung für die Schulen heißt auch, dass unsere Schulen sich stärker regional ausrichten können und ihren Gestaltungsspielraum dafür nützen können, SchülerInnen ihren Talenten und Begabungen gemäß individuell zu fördern und zu fordern“, sagt SPÖ-Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler. Bedauerlich ist, dass die Lehrergewerkschaft zwar der Begutachtung, nicht aber dem Inhalt des Pakets zustimmen will. „Die Lehrergewerkschaft stellt hier wieder einmal Klientelpolitik vor das Wohl der Kinder und will damit zukunftsweisende Neuerungen verhindern. Es bleibt zu hoffen, dass sie ihren Njet-Winkel doch noch verlässt und im Interesse der Kinder handelt statt im Eigeninteresse.“

Grossmann: Qualitäts- und Innovationsschub für Schulen

Als „einen echten Qualitäts- und Innovationsschub für die Schulen“ sieht SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann das Autonomiepaket: „Mit der Schulautonomie bei der LehrerInnenauswahl, bei Beginnzeiten, Stundeneinteilung und Gruppengrößen kommen wir weg von einer Erlass- und Verordnungskultur hin zu mehr Selbstbestimmung und Flexibilität für die Schulen.“ Dies werde ganz konkrete Auswirkungen auf die Unterrichtsqualität haben: „Die LehrerInnen entwickeln am Standort die pädagogischen Konzepte. Blockunterricht, Vorträge in größeren Gruppen, dafür Projektunterricht in kleineren Gruppen, gemeinsames fächerübergreifendes Unterrichten – alles wird möglich“, unterstreicht Grossmann die neuen Freiheiten.

Die Eckpunkte des Schulautonomiepakets:

Flexible Unterrichtsorganisation

  • Klassen- und Gruppengrößen können variiert werden – „ohne Antragsformular, ohne Schulversuch“.
  • Dauer von Unterrichtseinheiten kann flexibel gewählt werden. Die 50-Minuten-Einheit kann aufgebrochen werden.
  • Lehrkräfte entwickeln die pädagogischen Konzepte am Standort.
  • Die Öffnungszeiten der Schule sind flexibel gestaltbar.

Neuaufstellung der Schul- und Personalentwicklung

  • Leitung der Schule bzw. des Schulclusters führt selbst den Auswahlprozess für neu hinzukommende Lehrpersonen durch.
  • Für die Bestellung der Schul- und ClusterleiterInnen wird ein einheitliches und standardisiertes Auswahlverfahren eingeführt. Das heißt: Politik raus aus der Schule!
  • Schulinterne Fortbildungen werden ausgebaut.

Schulcluster

  • Zwei bis max. acht Schulstandorte in einer Region können sich zu einem Schulcluster zusammenschließen.
  • Die Schulen – auch Kleinschulen – bleiben damit erhalten.
  • Infrastrukturelle und personelle Ressourcen können so effektiver eingesetzt werden, d.h., auch kein fachfremder Unterricht mehr.
  • Die Schulclusterleitung übernimmt Managementaufgaben, jeder Cluster erhält administratives Unterstützungspersonal.

Neuordnung der Behörden/Bildungsdirektion

  • Die gesamte Bildung in einer einheitlichen, in allen Bundesländern gleichen und transparenten Behörde.
  • Erstmals werden alle LehrerInnen über das Bundesrechenzentrum abgerechnet.
  • Landesschulräte und der Wiener Stadtschulrat werden abgeschafft.
  • Bildungsdirektion wird nicht mehr politisch besetzt, sondern nach gesetzlich festgelegten Qualifizierungserfordernissen bestellt.

Chancenindex für Ressourcenzuteilung

  • Das Bildungsministerium legt die Kriterien fest, die anzuwenden sind. Die Ressourcenzuteilung orientiert sich etwa an der Zahl der SchülerInnen, am Förderbedarf und regionalen Bedürfnissen.

Zeitplan

  • Start: Pilot mit Leuchtturmschulen bereits ab dem Schuljahr 2017/18
  • Der/die BildungsdirektorIn kann ab 1. Jänner 2018 nach den neuen gesetzlichen Regelungen bestellt werden.
  • Für die Neugestaltung der Schulaufsicht ist ein Übergangszeitraum bis 31. August 2020 vorgesehen.

Mehr Informationen zum Autonomiepaket finden sich auf der Website des Bildungsministeriums.