Ja zu Quoten!

Eine aktuelle Studie zeigt: Erst neun private Unternehmen erfüllen die neuen gesetzlichen Vorgaben einer 30-Prozent-Quote für Aufsichtsräte. Die SPÖ macht deshalb Druck für mehr Gleichstellung, um Frauen den Weg an die Spitze zu ermöglichen.

Vor kurzem hat die SPÖ-geführte Regierung eine 30-Prozent-Frauenquote für Aufsichtsräte großer, börsennotierter Unternehmen beschlossen, die ab 2018 gilt. Wie wichtig eine solche gesetzliche Regelung ist, zeigt eine aktuelle Studie: Von 196 Vorstandsmitgliedern in Österreich sind gerade einmal elf Frauen – nur zwei mehr als vor einem Jahr. In Aufsichtsräten ist der Frauenanteil sogar gesunken. Nur in 14 Prozent der 63 in Wien notierten Unternehmen findet sich überhaupt ein weibliches Vorstandsmitglied. „Das ist eine absolute Schieflage“, stellt Frauenministerin Pamela Reni-Wagner gegenüber dem „Kurier“ fest. Denn in vielen privatwirtschaftlichen Betrieben sind mehr als 50 Prozent Frauen beschäftigt. Doch wenn es um Top-Führungspositionen geht, stoßen Frauen hierzulande immer noch an eine gläserne Decke.

Quote auch für Leitungsfunktionen

Die SPÖ hat sich lange für eine Quote stark gemacht und die 30-Prozentquote ist ein erster wichtiger Erfolg. Doch das Ziel ist damit noch nicht erreicht, denn das liegt für die SPÖ mittelfristig bei 40 Prozent, wie es auch im Plan A von Bundeskanzler Kern gefordert ist. „Auch für die Ebenen darunter ist es mein Ziel, den Frauenanteil zu heben“, betont Reni-Wagner. Der Plan A sieht vor, nach Erreichen der 40-Prozent-Quote in Aufsichtsräten auch eine Quote für Leitungsfunktionen einzuführen.

Quoten wirken

Dass Quoten wirken, zeigen die Erfahrungen aus anderen Ländern und auch aus dem staatsnahen Bereich: „Da haben wir im Schnitt schon 40 Prozent Frauen, etwa im ASFINAG-Aufsichtsrat“, so die Ministerin. „Die Quote ist ein wirksames Instrument“, stellt Rendi-Wagner klar. „Es hat sich gezeigt, dass mehr Gleichberechtigung für alle gut ist“, betont auch SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek.

„Frauen sollen sich nehmen, was ihnen zusteht“

Das sehen leider nicht alle so: Laut einer aktuellen Umfrage spricht sich die Mehrheit der männlichen Führungskräfte in Österreich gegen Quoten aus. Eine klare Mehrheit der Frauen befürwortet sie dagegen. „Es braucht einen Wandel in der Unternehmenskultur – Frauen in Führungspositionen ziehen andere nach“, sagt Heinisch-Hosek. „Es gibt genug qualifizierte Frauen. Sie brauchen endlich mehr Möglichkeiten, um sich gegen bestehende Männernetzwerke durchzusetzen“, fordert die Frauenvorsitzende. „Frauen sollen sich nehmen, was ihnen zusteht. Es ist wirklich an der Zeit!“

SPÖ will mehr Chancengleichheit
Die SPÖ selbst geht mit gutem Beispiel voran: Das neue Partei-Statut sieht vor, dass bei der Listenerstellung 40 Prozent Frauen auf wählbaren Plätzen sind. Doch die SPÖ setzt nicht nur auf Quoten. Im Plan A findet sich eine ganze Reihe weiterer Vorschläge, wie Frauen der Weg an die Spitze ermöglicht und die Lohnschere verringert werden kann: etwa mit einem Lohntransparenzgesetz, einem Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem 1. Geburtstag oder vollen Überstundenzuschläge für Teilzeitbeschäftigte.

Mehr Infos zum Thema finden sich im Plan A von Bundeskanzler Christian Kern.