Karenz: Rahmenbedingungen für Väter verbessern

Immer mehr Männer möchten sich stärker an der Kinderbetreuung beteiligen. Trotzdem zeigt die Realität ein anderes Bild. Ein EU-Projekt, unter Federführung des Sozialministeriums, hat die Ursachen dafür untersucht.

Das Projekt „Männer und Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Wege zur gerechten Verteilung von Karenz-, Betreuungs- und Arbeitszeiten“ beschäftigte sich intensiv mit den Herausforderungen, mit denen sich Männer heute konfrontiert sehen. Dabei werden auch praktische Strategien für mehr Väterbeteiligung geliefert, etwa einen – wie von der SPÖ geforderten – Rechtsanspruch auf einen Papa-Monat.

Vorbilder wirken

Die Ergebnisse zeigen: Es ist vor allem die Angst vor negativen beruflichen Konsequenzen, die Männer davon abhält, in Karenz zu gehen. Positiv wirken sich männliche Vorbilder aus, wenn also ein Mann im Unternehmen bereits in Karenz war und das akzeptiert wurde und wenn Führungskräfte selbst in Karenz gehen bzw. eine offene Haltung einnehmen. In diesen Fällen wird kurze Väterkarenz (2-3 Monate) unterstützt, längere Karenzen sind selten.

Rechtsanspruch auf Papa-Monat entscheidend

Vor allem nach der Geburt besteht bei vielen Vätern der Wunsch, sich einzubringen: Der Papa-Monat wird selbst in Familien, die eine traditionelle Rollenverteilung anstreben, gelebt. Hauptsächlich wird aber für diese erste gemeinsame Zeit, Urlaub in Anspruch genommen. Der „Familienzeitbonus“ – ein Papa-Monat ohne Rechtsanspruch – wird laut Daten des Familienministeriums wenig genutzt (200-300 Fälle in den letzten Monaten). Ein Rechtsanspruch – so wie von der SPÖ gefordert – würde dem Wunsch der Väter, die Zeit nach der Geburt intensiv mit der Familie verbringen zu können, unterstützen.

Frauen stecken beruflich zurück

Bei der Arbeitszeit stecken nach wie vor allem die Frauen zurück. Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit stark und lange, Männer wenn überhaupt nur wenig und für kurze Zeit. Die negativen Folgen für die Pension der Frauen werden ausgeblendet. In den Betrieben steht bei Vätern die Flexibiliät der Arbeitszeit und damit die Frage, wie Vollzeiterwerbstätigkeit mit familiären Pflichten vereinbart werden kann, im Vordergrund.

Es gibt positive Beispiele, wie es funktionieren kann. Einige Unternehmen, wie die ÖBB, haben bereits Strategien für eine verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familie – auch für Väter- entwickelt.

Das Projekt

Das Projekt „Männer und Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Wege zur gerechten Verteilung von Karenz-, Betreuungs- und Arbeitszeiten“ wurde federführend vom Sozialministerium in Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung und Frauen, L&R Sozialforschung sowie der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt – FORBA sowie mit Unterstützung durch Mittel des Programms der Europäischen Union für „Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft“ (2014 – 2020) vom 10.12.15 bis 09.12.17 umgesetzt.

Weitere Informationen finden sich auf der Projektseite.