Schwarz-blaues Bildungspaket: Zurück in die Vergangenheit

Schwarz-Blau legt bei der Bildung den Rückwärtsgang ein. Entlarvend ist, dass VP-FP offensichtlich die Wiedereinführung von verpflichtenden Ziffernnoten in der Volksschule für das dringlichste Problem halten.

„Es macht mich allerdings fassungslos, wie wenig die Verhandlungspartner offensichtlich von den Bedürfnissen unserer LehrerInnen und SchülerInnen wissen und wie inhaltsleer das präsentierte Paket ist”, so Bildungsministerin Sonja Hammerschmid angesichts der von VP-Chef Kurz und FP-Chef Strache präsentierten Ergebnisse der Regierungsverhandlungen zum Thema Bildung.

Warum Leistungsbeschreibungen besser sind
Erst im Schuljahr 2016/17 hat man Volksschulen ermöglicht, in Abstimmung mit den Eltern selbst darüber zu entscheiden, ob sie Noten oder eine Leistungsbeschreibung anwenden wollen. „Durch die fortlaufende Dokumentation der alternativen Leistungsbeurteilung kann auf Lernschwächen rasch und präzise reagiert und Begabungen frühestmöglich gefördert werden”, erklärt Hammerschmid. Erfolgreiche Bildungssysteme weltweit arbeiten längst an der Weiterentwicklung solcher kompetenzorientierter Beurteilungen.

Kindergarten als Bildungseinrichtung ist langjährige SPÖ-Forderung
Die Einführung eines zweiten verpflichtenden Kindergartenjahres ist bereits im rot-schwarzen Regierungsprogramm enthalten gewesen, das ÖVP-geführte Familienministerium hat allerdings durchgehend blockiert. Auch hier gibt es nun einen Rückschritt, denn der VP-FP-Vorschlag umfasst nur einen Teil der Kinder. „Vom verpflichtenden zweiten Kindergartenjahr müssen alle profitieren. Kein Kind darf zurückgelassen werden”, meint Hammerschmid.

Wozu Bildungspflicht, wenn Ausbildungspflicht bis 18?
Eine weitere geplante Maßnahme von ÖVP und FPÖ, die sogenannte Bildungspflicht, bedeutet de facto eine flexible Verlängerung der derzeit gültigen Schulpflicht. Erst im Juli dieses Jahres ist die Ausbildungspflicht bis 18 Jahre in Kraft getreten. „Wir müssen diese Maßnahme jetzt wirken lassen, alles andere ist absolut kontraproduktiv”, ist Hammerschmid überzeugt.

Reine Ausländerklassen sind gefährlicher Populismus
Zu den Plänen, Volksschulkinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse in gesonderten Klassen zu unterrichten, sagt Sonja Hammerschmid: „Für Kinder, die im Schulalter noch Schwierigkeiten mit der Sprache haben, haben wir ein pädagogisch sinnvolles System: Die Kinder werden bis zu elf Wochenstunden aus der Klasse genommen, um Deutsch zu lernen. Fächer wie Turnen, Zeichnen oder Musik haben sie aber wieder gemeinsam mit den deutschsprachigen Klassenkameraden, damit sie die Sprache auch anwenden.” Ausgrenzen und Wegsperren führt nicht zu Integration.

Resümee: Nur Schlagwörter und Plattitüden
„Außer Schlagwörtern und Plattitüden scheint in den Arbeitsgruppen noch nichts entstanden zu sein. Fakten und Sachkenntnis scheinen dabei keine Rolle gespielt zu haben”, so Hammerschmid.