Der Unsinn schwarz-blauer „Ghettoklassen“

Die von Schwarz-Blau geplanten „Deutschklassen“ sind pädagogisch unsinnig, stellen die Schulen vor unlösbare Probleme und sind ein integrationspolitischer Schuss in den Ofen – Leidtragende sind wiedermal die Kinder.

Mit der Einführung von separaten „Deutschklassen“ an Österreichs Schulen will Schwarz-Blau ab kommenden Schuljahr Kinder, die eine Sprachförderung benötigen, in eigene Ghettoklassen abschieben. Im Gegenzug streichen Kurz und Strache wichtige Integrationsmittel für Schulen und drehen bewährte Konzepte zur Sprachförderung einfach ab. „Die Sprachförderung für die Kinder wird sich verschlechtern, LehrerInnen mit den Integrationsproblemen alleine gelassen“, warnt SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid. Bildungsminister Faßmann nimmt mit sehendem Auge in Kauf, dass ab Herbst alle Pflichtschulkinder Leidtragende der Kürzungen bei Bildung und Sprachförderung sind.

Pädagogisch unsinnig und praktisch undurchführbar

Dass ExpertInnen die „Deutschklassen“ als pädagogischen Unsinn abstempeln, ist Kurz und Strache egal. Ebenso egal ist den beiden, dass mit der unüberlegten Einführung die Schulen vor massive Probleme gestellt werden. „Bewährte Strukturen für die Sprachförderung werden mutwillig zerstört und die Anzahl der dafür bereitgestellten PädagogInnen halbiert. Ganz zu schweigen vom Unterstützungspersonal, das ebenfalls nicht mehr zur Verfügung steht. Damit fehlt es an LehrerInnen und Schulräumen“, erklärt Hammerschmid. Denn mit der Streichung des Integrationstopfes setzt Schwarz-Blau 450 DeutschlehrerInnen, 250 IntegrationspädagogInnen, 80 SozialarbeiterInnen sowie 80 Personen in mobilen Teams einfach auf die Straße. Aber mit den „Deutschklassen“ werden mehr Lehrpersonen benötigt, ganz zu schweigen von den zusätzlichen Klassenräumen, die oft nicht existieren.

Zurück an den Verhandlungstisch

Wie unsinnig das schwarz-blaue Projekt "Deutschklassen" ist, zeigen auch die vielen negativen Stellungnahmen aus den Bundesländern und von BildungsexpertInnen. Für Hammerschmid ist daher klar: "Ich teile die massiven Bedenken am Gesetzesentwurf – er ist unausgegoren". Die SPÖ-Bildungssprecherin fordert daher, dass Bildungsminister Faßmann an den Verhandlungstisch zurückkehrt und mit Betroffenen und ExpertInnen redet, "um einen Gesetzesentwurf vorzulegen, der tatäschlich einen Mehrwert für die Integration darstellt", so Hammerschmid, die ein Hearing im nächsten Unterrichtsausschuss fordert.

Der schwarz-blaue Flop am Beispiel Wiens

Am Bespiel Wien wird der Irrsinn dieses schwarz-blauen Flops besonders ersichtlich. SPÖ-Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky rechnet vor, dass rund 15.000 Kinder aller Altersstufen, die bisher eine Deutschförderung erhalten haben, in eigene Klassen gehen müssten und 500 Extra-Räume benötigt werden. „Dieser Entwurf ist undurchführbar. Woher man die Klassen nehmen soll, darüber schweigt sich die Bundesregierung aus", kritisiert Czernohorszky.