Leistbares Wohnen schafft der Markt nicht allein

Um leistbares Wohnen zu ermöglichen, sollten Eingriffsmöglichkeiten in den Markt erfolgen können, fordert SPÖ-Wohnbausprecherin Ruth Becher. Sie spricht sich auch dafür aus, öffentliche Fördermittel nur für Miet-, nicht aber für Eigentumswohnungen zu vergeben.

Experten wiesen bei der SPÖ-Klub-Enquete darauf hin, dass das wegen der Niedrigzinsen billiges Geld die Preise spekulativ nach oben treibt. Der Wohnungssektor kommt neben dem Bevölkerungswachstum auch durch die Jagd nach Rendite unter Druck. Und aus Münchner Sicht, dem mittlerweile bekanntlich teuersten Pflaster beim Wohnen in Deutschland, kam die Warnung vor "Londoner Verhältnissen", wo selbst Berufstätige, etwa Supermarktmitarbeiter, als Obdachlose leben.

Ursachen der Wohnungskrise sind die begrenzte Verfügbarkeit von Grundstücken und die allgemeine Verstädterung, aber auch der Anstieg der Baukosten, der von privaten Bauträgern auf die Gemeinnützigen überschwappt. Der Wohnungsnachfrageüberhang wird durch ausländische Investoren sowie Fonds mit angetrieben

Herausforderung Grundstückspreise

Laut dem Obmann der Gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV), Karl Wurm nannte die Grundstückspreise eine "Riesenherausforderung" für den Gemeinnützigen-Sektor, hier müsse gegengesteuert werden. In Tirol und Vorarlberg habe man sich doch dafür entschieden, notfalls "sehr einschneidend" in Eigentumsrechte einzugreifen, während man in Wien noch diskutiere. Das Wohnungsangebot müsse künftig breiter gefächert sein, verwies Wurm etwa auf die "5-Euro-Wohnungen" in Tirol – auch Oberösterreich denke so etwas an. Die SPÖ werde dort, wo sie einen Einfluss habe, daran gemessen werden, ob sie leistbares Wohnen gewährleisten könne. Diakonie-Direktor Michael Chalupka erinnerte, dass Wohnen "ein Grundrecht" sei; dabei würden die Niedrigeinkommen noch stärker hinter dem Mietenanstieg zurückbleiben als höhere Bezüge.

Leistbares Wohnen für Alle ist machbar

Die SPÖ-Wohnbausprecherin Wurm betonte, dass leistbares Wohnen für alle machbar ist. „Denn wie es geht, kann man gerade in Österreich sehr gut sehen. Das Modell des sozialen Wohnbaus funktioniert – darum beneidet uns die ganze Welt“.

„Wir müssen das schützen, was funktioniert“, betont Becher im Hinblick auf den gemeinnützigen Wohnbausektor. Dabei geht es ihr auch um die gesetzlichen Eingriffsmöglichkeiten in den Markt, besser gesagt, gegen die Verzerrungen durch den Markt; genauso müsse man das Immobilienvermögen der öffentlichen Hand und der gemeinnützigen Wirtschaft schützen.

Becher will den sozialen Wohnbau weiterentwickeln; dabei geht es ihr insbesondere um Wohnformen für Menschen ohne Eigenmittel und darum, dass die Gemeinnützigen preiswerte Baugrundstücke bekommen.