ARBEITSZEITVERKÜRZUNG

4-Tage-Woche stärkt Wachstum und Beschäftigung

Bild: Bilderbox

Österreich muss jetzt der Rekordarbeitslosigkeit und schrumpfenden Wirtschaft durch Corona entgegensteuern. Unser Vorschlag: ein Fördermodell zur Arbeitszeitverkürzung, um MitarbeiterInnen in Beschäftigung zu halten und gleichzeitig Betriebe mittelfristig weiter finanziell zu unterstützen.

Die Arbeitslosigkeit stieg im Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 43 Prozent. 463.505 Menschen sind ohne Job. Gleichzeitig schrumpft die österreichische Wirtschaft 2020 laut Prognose um mehr als sieben Prozent! Viele Betriebe in Österreich werden noch länger mit einem erheblichen Nachfrageausfall zu kämpfen haben. „Spätestens, wenn das Kurzarbeitsmodell endet, wird sich die Situation am Arbeitsmarkt noch einmal deutlich verschärfen“, warnt unsere Parteivorsitzende, Klubobfrau Pamela Rendi-Wagner.

Mutige Lösungen gefordert

Der Staat muss jetzt mit nachhaltigen Lösungen gegensteuern. „Politik hat die Aufgabe und Verantwortung, vorauszudenken, mutig und lösungsorientiert. Nur das kann Österreich aus der Krise führen und Menschen und Unternehmen Sicherheit geben“, sagt Rendi-Wagner. „Ziel muss es sein, Beschäftigung zu sichern und die Wirtschaft und Unternehmen in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen“, macht unsere Parteivorsitzende klar. Dafür braucht es das größte Investitions- und Beschäftigungspaket in der Geschichte der Zweiten Republik. „Und es braucht ein modernes, neues und zukunftsweisendes Arbeitszeitmodell, das Vorteile für Unternehmen, ArbeitnehmerInnen und die öffentliche Hand bringt – eine Win-win-win-Situation.“ Wir schlagen vor, dass der Corona-bedingte Nachfrageeinbruch von Betrieben zur freiwilligen Einführung einer 4-Tage-Woche bzw. flexiblen Arbeitszeitverkürzung genutzt werden soll, die finanziell vom Staat gefördert wird. Rendi-Wagner appelliert: „Für uns als SPÖ ist klar, es braucht mutige Wege aus dieser Krise. Ideologische Scheuklappen und ein reflexartiges Nein sind nicht die richtigen Wege aus dieser schweren Krise, in der Österreich steckt. Jetzt darf es keine Tabus geben.“

Die Corona-Krise zeigt uns die Grenzen des Arbeitsmarktes mit voller Wucht. Der Staat muss eingreifen und mit der…

Gepostet von Pamela Rendi-Wagner am Freitag, 3. Juli 2020

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Das SPÖ-Fördermodell zur Arbeitszeitverkürzung

Die Arbeitszeit des Betriebes wird um 20 Prozent verringert:

  • Ein Drittel der Kosten wird vom Betrieb übernommen.
  • Ein Drittel der Kosten wird vom AMS übernommen (maximale Förderdauer 3 Jahre).
  • ArbeitnehmerInnen verzichten bei 20 Prozent weniger Arbeitszeit auf 6,6 Prozent Brutto-Gehalt (ein Drittel von 20 Prozent)

Experten bestätigen positive Effekte der Arbeitszeitverkürzung

Studien (etwa vom WIFO 2001) und Beispiele in anderen europäischen Ländern (Frankreich, Dänemark) zeigen: Eine Arbeitszeitverkürzung führt zu einer Produktivitätssteigerung. Und sie hat langfristig positive Beschäftigungseffekte, neue Arbeitsplätze werden geschaffen. Laut WIFO-Studie würde eine Arbeitszeitverkürzung von 10 Prozent bis zu 100.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. „Wichtig ist, dass die Rahmenbestimmungen stimmen“,  sagt der Soziologe Jörg Flecker, damit auch die tatsächliche Arbeitszeit sinkt und nicht mehr Überstunden gemacht werden. Hier sind Unternehmen, Sozialpartner und Betriebsräte gefordert. Die letzte Arbeitszeitverkürzung erlebte Österreich vor 45 Jahren. Seither ist die Produktivität weiter gestiegen. „Österreich kann es sich nicht länger leisten, auf eine weitere Arbeitszeitverkürzung zu verzichten – schon gar nicht in einer Arbeitsmarktkrise“, stellt Flecker klar.

Bild: SPÖ-Parlamentsklub/Mandl

Mehr Flexibilität für ArbeitnehmerInnen und Betriebe

Mit dem SPÖ-Modell der Arbeitszeitverkürzung werden Arbeitsplätze gesichert und geschaffen, von der Krise betroffene Betriebe unterstützt und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefördert.

Die Vorteile:

Für ArbeitnehmerInnen:

  • 94,9 Prozent Gehalt bei 80 Prozent Arbeitszeit: MitarbeiterInnen, die sich für das Modell entscheiden, erhalten 94,9 Prozent ihres ursprünglichen Nettogehaltes bei einer auf 80 Prozent reduzierten Arbeitszeit und damit eine Lohnerhöhung gegenüber dem bisherigen Kurzarbeitsmodell.
  • Beispiel: Bei einem Bruttomonatseinkommen von 2.539 Euro brutto beträgt der Lohnverzicht 90 Euro netto im Monat.
  • Mehr Erholung, höhere Leistungsfähigkeit: ArbeitnehmerInnen haben bei nahezu gleichem Lohn 20 Prozent mehr freie Zeit für Familie, Freunde, Sport u.v.m.
  • Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Für Unternehmen:

  • Produktivität steigt: Studien zeigen eine Produktivitätssteigerung von 8 bis 14 Prozent bei Arbeitszeitverkürzung. Bei einer Produktivitätssteigerung von rund 8 Prozent werden die zusätzlichen Kosten für den Betrieb vollständig kompensiert.
  • Flexibilität: Rechnet ein Betrieb mit weniger Aufträgen, hat er durch das Modell die Möglichkeit, seine Beschäftigten zu halten und kann die Produktion schneller wieder hochfahren, wenn die Nachfrage steigt.
  • Geringere Kosten: Die Lohnkosten sinken um 15 Prozent. Die Kosten für die Arbeitszeitverkürzung werden zu einem Drittel vom AMS übernommen, die Produktivität steigt.

Für den Staat:

  • Mehr Beschäftigung, mehr Einnahmen: Die Förderung durch den Staat würde zu 57 Prozent durch geringere Ausgaben für Arbeitslosigkeit bzw. steigende Einnahmen aufgrund der zusätzlichen Beschäftigung kompensiert werden.
  • Weniger Kosten: Unser Fördermodell ist kostengünstiger als das derzeitige Kurzarbeitsmodell. Würden eine Million Beschäftigte an einem solchen Fördermodell teilnehmen, würde das zu bis zu 100.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Die Nettokosten für die öffentliche Hand liegen damit deutlich unter dem derzeitigen Kurzarbeitsmodell.

Mehr Details zu unserem Modell findest du hier.

Deutsch fordert Bewegung von Regierung und Wirtschaftskammer

Für SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch liegen die Vorteile auf der Hand:  „Mit unserem Förderkonzept zur Arbeitszeitverkürzung haben wir ein ebenso zukunftsweisendes wie einfach umsetzbares Modell vorgelegt, von dem Beschäftigung und Arbeitsplätze genauso profitieren wie die ArbeitnehmerInnen und die Unternehmen.“ Die türkis-grüne Regierung darf sich angesichts von Rekordarbeitslosigkeit und von der Krise schwer getroffenen Unternehmen nicht länger blind und taub stellen. „Auch vonseiten der Wirtschaftskammer ist jetzt im Interesse der Unternehmen Bewegung gefordert.“

Positive Effekte für gerechte Arbeitsaufteilung

SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch unterstützt den Vorschlag der Arbeitszeitverkürzung und  fordert die Bundesregierung auf, endlich ins Tun zu kommen, denn 108 Tage nach dem Corona-Shutdown hat die Regierung keine einzige Maßnahme für unverschuldet gewordene Arbeitslose gesetzt. Die SPÖ-Frauen sehen im Modell viele positive Effekte: Es wird für Eltern leichter, Job und Familie zu vereinbaren und die bezahlte und unbezahlte Arbeitszeit zwischen Frauen und Männern wird gerechter aufgeteilt, sagt SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek.