Medizinische Versorgung vor Kollaps bewahren

Bild: Kurt Prinz

Die Anzahl an Corona-IntensivpatientInnen steigt rasant. Die SPÖ-Vorsitzende und Klubobfrau Pamela Rendi-Wagner fordert jetzt rasches Handeln: Das Contact Tracing muss verbessert, die Gesundheitsversorgung auf Krisenmodus umgestellt und Risikogruppen stärker geschützt werden. Der Worst Case – ein Lockdown –muss gezielt vorbereitet werden.

Die letzten Tage haben gezeigt, dass die Spitalskapazitäten sehr schnell knapp werden können, und zwar hinsichtlich Betten, Ausstattung und Personal –insbesondere im intensivmedizinischen Bereich. Die Intensivpatientenzahl steigt derzeit sehr schnell. Wenn die neuen Maßnahmen der Regierung in den nächsten Tagen nicht greifen, steigt diese Zahl weiter so schnell an und es kommt zu dem Punkt, dass 50 Prozent der Covid-Intensivbetten belegt sind. „Dann ist ein Lockdown aus meiner Sicht unvermeidlich“, sagt die SPÖ-Vorsitzende. Das Verdoppelungsintervall für Covid-Intensivpatienten beträgt derzeit ca. 10 Tage – wenn das so bleibt, ist eine 50-Prozent-Belegung in 10 Tagen erreicht. Nach weiteren 10 Tagen wären wir bei einer Vollbelegung.

Es geht um die Versorgung aller PatientInnen

Und: Jede Maßnahme, die gesetzt wird, hat eine Latenzzeit von 10 Tagen, bis sie greift. Das heißt: „Spätestens bei einer 50-Prozent-Belegung der Intensivkapazitäten muss man handeln, um die medizinische Versorgung vor einem Kollaps zu bewahren. Da geht’s nicht nur um Versorgung von Corona-PatientInnen, sondern um alle PatientInnen!“, warnt Rendi-Wagner.

Jede Stunde zählt

Unsere Vorsitzende appelliert an die Bevölkerung, zusammenzuhalten, soziale Kontakte auf ein absolutes Minimum zu reduzieren, die Maske konsequent zu tragen und die Sicherheitsabstände zu wahren – und an die Regierung, besser heute als morgen mit der Vorbereitung für den Worst Case – einen Lockdown – zu beginnen. „Es zählt jede Stunde“, so Rendi-Wagner.

Entscheidend in der jetzigen Corona-Situation sind folgende vier Punkte:

1. Contact Tracing absichern

Keine Epidemie kann ohne funktionierende Kontaktpersonen-Nachverfolgung bekämpft werden. Das ist das entscheidende Element. Um das Contact Tracing krisenfest zu machen, muss es zentral vom Gesundheitsministerium koordiniert werden. Die Bundesländer dürfen nicht alleine gelassen werden. Rendi-Wagner empfiehlt der Regierung, wie Kärnten und Wien mit dem AMS zu kooperieren und Arbeitslose – freiwillig – für das Contact Tracing zu gewinnen. Das muss jetzt angegangen werden!

2. Gesundheitsversorgung muss zentral koordiniert auf Krisenmodus umgestellt werden

Das betrifft Kapazitäten bei Krankenhausbetten, den intensivmedizinischen Bereich, und das Personal. Man darf sich nicht nur auf Covid konzentrieren, sondern muss auch alle anderen PatientInnen im Blick behalten und mit fachlichem Zugang entscheiden, welche Eingriffe jetzt zugunsten von Covid-Spitalskapazitäten verschoben werden können. Essentiell ist das Personal: Es ist notwendig, medizinisches Personal dort, wo es möglich ist, auf Intensiv-Versorgung umzuschulen, da Covid-PatientInnen sehr betreuungsintensiv sind. Andernfalls kann es sehr schnell zu Engpässen kommen. Es braucht auch regionale Flexibilität – wenn es in einer Region einen Engpass gibt, soll es möglich sein, dort Personal aus weniger belasteten Region einzusetzen. Dazu braucht es einen österreichweiten Überblick und Einsatzplan. Auch Heeres- und Privatspitäler sollen herangezogen werden.

3. Risikogruppen müssen noch besser geschützt werden

Menschen über 65 und jene mit schweren Grunderkrankungen müssen noch besser geschützt werden, da bei ihnen ein schwerer Verlauf und die Notwendigkeit intensivmedizinischer Versorgung wahrscheinlicher ist. „Ich appelliere an alle älteren MitbürgerInnen, ihre sozialen Kontakte auf ein absolutes Minimum zu reduzieren!“, so Rendi-Wagner. In Pflege- und Altersheimen müssen rasch Antigen-Schnelltests ausgerollt werden, um diese Einrichtungen besser schützen zu können.

4. Geordnete Vorbereitung eines Lockdowns, um soziale und wirtschaftliche Folgen einzudämmen

Unternehmen brauchen Sicherheit und begleitende Maßnahmen, damit es nicht zu Situationen wie im Frühjahr kommt. Betriebe sollen für die Zeit eines Lockdowns volle Entschädigung bekommen. Unsere Vorsitzende warnt vor einem „Blindflug“, wirtschaftliche und soziale Katastrophen müssen verhindert werden. Im März haben 200.000 Menschen binnen zwei Wochen ihren Job verloren, es gab panikartige Kündigungen und die größte Arbeitslosigkeit seit 1946. „Das darf kein zweites Mal passieren“, sagt unsere Vorsitzende. Sollte ein Lockdown notwendig werden, um die medizinische Versorgung sicherzustellen, sind zwei Dinge wichtig: Die Schulen müssen geöffnet bleiben und jegliche Lockdown-Maßnahmen müssen treff- und zielsicher sein.